Beiträge

Unter dem Namen „Stride“ unternimmt Atlassian – bekannt für Tools wie Jira, Confluence und Trello – einen zweiten Versuch, dem Team-Messenger Slack Konkurrenz zu machen. Stride soll drei Kern-Probleme von Team-Messenger-Tools lösen – versprechen die Entwickler. Zusätzlich kostet Stride nur halb so viel wie Slack.

Für Teams sind Chat-Tools eine tolle Sache: In virtuellen Besprechungsräumen kann man – entweder offen für alle oder nur für ausgewählte Kollegen – Themen diskutieren und sich abstimmen. Das geht schneller als per Telefon und senkt nebenbei den Geräuschpegel im Großraumbüro. Problematisch wird es aber, wenn man Aufgaben verteilen möchte oder später wiederfinden möchte, wann eine Entscheidung getroffen wurde. Stride macht es möglich, Todos als solche zu markieren und Entscheidungen zu kennzeichnen, so dass man diese später bei der Suche im Chat-Archiv schneller wiederfinden kann. Interessant.

Ablenkungsfreies Arbeiten im Focus-Mode

Ein weiteres Problem von Chat-Tools ist, dass man quasi permanent in einem Meeting steckt und sich kaum konzentrieren kann: Neben E-Mail und Telefon muss man noch den Messenger im Blick behalten und führt sich bei jeder Nachricht gedrängt, sofort zu reagieren. Stride möchte das Problem mit einem „Focus-Modus“ lösen: Aktiviert ein Anwender diesen für eine einstellbare Zeit, erhält er in dieser Zeit keine neuen Nachrichten. Wenn die Konzentrationsphase beendet ist, zeigt Stride in einem Fenster alle wichtigen Nachrichten an. So muss sich der Anwender nicht durch die Fülle an Nachrichten kämpfen, die in seiner Abwesenheit gepostet wurden.

Und weil man manche Diskussionen doch besser Face-to-Face führt, kann man mit Stride auf Knopfdruck eine Telefon- oder Video-Konferenz starten – ohne zu Tools wie GoToMeeting oder Webex greifen zu müssen.

Wenn das alles richtig überzeugt, dann versucht es Stride mit dem Preis: 3 US-Dollar pro Monat und Anwender kostet der Standard-Zugang mit unbegrenztem Datei-Austausch und Nachrichten-Archiv. Das ist gut die Hälfte des Standard-Zugangs des Konkurrenten Slack (6,25 US-Dollar). Sprach- und Video-Anrufe sind bei Stride auch im kostenfreien Tarif „Free“ möglich, bei Slack können nicht-zahlende Nutzer nur zu zweit konferieren. Wer für Stride nicht zahlt, kann nur die letzten 25.000 Nachrichten durchsuchen.

Wie Hipchat wird es Stride vorerst nicht für Windows-Phones geben. In dem Punkt hat Slack einen Vorteil.

Fazit

Mir erschließt sich nicht ganz, warum Atlassian einen Neustart seines Messenger-Tools verkündet. Offenbar waren die Nutzer-Zahlen für Hipchat enttäuschend und man sah keinen anderen Ausweg. Ob die drei genannten Funktionen den Erfolg bringen ist fraglich: Slack dürfte diese Funktionen schnell ergänzen können.


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Es ist Festival-Saison – auch für Journalisten: Vom 6. bis 9. September ist das „Campfire“ in Dortmund, ein Festival für Journalismus und Neue Medien, das Correctiv und das Institut für Journalistik organisieren. Auch „Journalisten-Tools.de“ wird beim „Campfire“-Festival live auftreten – mit drei kostenlosen Workshops rund um Tools für Journalisten im Zelt von „Vor Ort NRW“ der LfM-Stiftung für Lokaljournalismus.

„Stimmt das? Neuigkeiten aus sozialen Netzwerken verifizieren“

Workshop mit Christina Quast am 7. September um 11 Uhr und am 8. September um 16 Uhr

Viele Videos, Fotos und Texte rauschen täglich durch die sozialen Netzwerke. Aber nicht alle Nachrichten stimmen – was tun? Christina Quast von „Journalisten Tools“ gibt Tipps, wie sich Neuigkeiten überprüfen lassen und zeigt kostenlose Online-Tools, die gefälschte oder manipulierte Nachrichten entlarven können – zum Beispiel die Rückwärts-Bildersuche oder den Suchdienst Wolfram Alpha.

„Das digitale Notizbuch für Journalisten“

Workshop mit Sebastian Brinkmann am 9. September um 14 Uhr

Wäre es nicht toll, wenn Ihr Papier-Notizbuch eine Volltextsuche hätte? Mit einem digitalen Notizbuch wie Evernote, One Note oder Note Station finden Sie Interview-Notizen, Recherche-Infos und Themen-Ideen viel schneller wieder als auf Papier. Digitale Notizbücher speichern handschriftliche Notizen, Dokumente, Fotos, Webseiten, Scans und helfen Ihnen so bei der täglichen Arbeit. Im Workshop werden die Tools sowie ihre Vor- und Nachteile vorgestellt. Und Sie erfahren, wo ihre Daten gespeichert werden und was man für mehr Sicherheit bezahlen muss.

„Besser kommunizieren ohne Telefon und E-Mail“

Workshop mit Sebastian Brinkmann am 9. September um 16 Uhr

Wer statt per Telefon und per E-Mail mit Tools wie Slack, Hipchat, Threema oder Chat von Synology mit seinen Kollegen kommuniziert, bekommt schneller Antwort und erstickt nicht in E-Mails, die längst erledigt sind. Der Workshop stellt verschiedene Chat-Tools für Redaktionen vor, nennt die Vor- und Nachteile und informiert über das Thema Sicherheit.

Weitere Präsentationen, Diskussionen und Live-Shows gibt es im kompletten Programm des „Campfire“-Festivals.

Sid-Mitgründer Nils Krüger (Foto: iKlick Fotostudio)

Sid-Mitgründer Nils Krüger (Foto: iKlick Fotostudio)

Viele Redaktionen nutzen Slack oder Hipchat, um intern zu kommunizieren. Beide Tools haben allerdings einen Nachteil: Alle Nachrichten werden zwar verschlüsselt zwischen Client und Server übertragen, aber auf den Slack- bzw. Hipchat-Servern unverschlüsselt gespeichert.  Genau da setzt Sid an, ein Team-Chat-Tool aus Berlin. Die erst drei Monate alte Software hat allerdings noch nicht den Funktionsumfang von Slack oder Hipchat – sagt Mitgründer Nils Krüger im Interview.

Warum ist Sid aus Ihrer Sicht sicher?

Auf der einen Seite setzen wir eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung an. Alle Nachrichten werden auf dem Gerät verschlüsselt und erst beim Empfänger wieder entschlüsselt. Auf unseren Servern liegen die Nachrichten nur so lange, bis sie beim Empfänger angekommen sind. Wir haben keine Chance sie zu lesen oder zum Beispiel automatisch zu analysieren. Wenn Sie Dateien per Sid an Kollegen verschicken, werden diese direkt über eine so genannte Peer-to-Peer-Technologie zum Empfänger geschickt und laufen nicht über unsere Server. Das hat nebenbei den Vorteil, dass die Übertragung sehr viel schneller läuft, wenn die Empfänger im selben Netz oder WLAN arbeiten.

Wie funktioniert Sid technisch?

Anders als bei Slack oder Hipchat gibt es bei unserem Tool keine Cloud, in der alle Nachrichten gespeichert werden. Die Nachrichten liegen nur in der App des Users und die Daten werden zwischen den Geräten synchronisiert. Deshalb empfehlen wir unseren Usern auch, Sid auf mindestens zwei Geräten zu benutzen, damit die Daten im Fall eines Festplatten-Crashs noch auf dem anderen Gerät – zum Beispiel dem Smartphone oder einem anderen Computer – vorliegen.

Sid gibt es für iOS und Android (Foto: Screenshot)

Sid gibt es für iOS und Android (Foto: Screenshot)

Welche Funktionen bietet Sid?

Die Software ist seit drei Monaten auf dem Markt und befindet sich noch im Beta-Stadium. Stand heute kann man damit in einem Team Nachrichten austauschen und zwar öffentlich für alle Team-Mitglieder sichtbar oder als private Nachricht in einem geschlossenen Kreis. Unsere App ist für Windows, Mac, Android und iOS verfügbar und wir arbeiten aktuell an einer Linux-Version. Da sind wir allerdings noch unsicher, welche Linux-Distribution wir unterstützen sollen.

Was fehlt Sid?

Wir nutzen Sid natürlich intern und verschicken deshalb im Team kaum E-Mails. Es fehlen aber noch Funktionen: Zum Beispiel eine Volltextsuche über alle Nachrichten und die Möglichkeit, alte Nachrichten zwischen den Geräten zu synchronisieren. Wenn man also ein weiteres Gerät mit Sid benutzt, landen dort zwar alle neuen Nachrichten, aber nicht die, die man vorher verschickt hat. Beides würden wir gerne ändern.

Zurückhaltender sind wir beim Einbinden fremder Dienste wie Dropbox. Das wäre für den User sicher praktisch, aber wir setzen auf Sicherheit und da müssen wir einen Weg finden, die nicht zu vernachlässigen.

Wie kann man Sid installieren?

Ganz einfach: App herunterladen, installieren und Benutzernamen auswählen. Bei Sid gibt es keinen zentralen Account, daher muss man auch kein Kennwort oder eine E-Mail-Adresse angeben. Wenn man Sid auf einem zweiten Gerät benutzen möchte, gibt man dort seinen Benutzernamen an und wird dann auf dem ersten Gerät gefragt, ob man das zweite Gerät ergänzen möchte. Auf diese Weise kann man Sid vollkommen anonym nutzen. Im Gegenzug muss man dann aber selbst sicherstellen, dass man mindestens zwei Geräte mit dem Sid-Account nutzt – falls ein Gerät kaputt geht und man es neu einbinden möchte.

Welche Firma steckt hinter Sid?

Wir sind fünf Gründer, die in Berlin die Firma Spherebox UG gegründet haben. Unser Ziel ist es, den Datenaustausch sicherer zu machen und die Kommunikation im Team zur erleichtern.

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Die VDZ-Akademie hat mich für ein Tagesseminar am 6. Juli in München engagiert. „Mehr in weniger Zeit schaffen“ ist das Motto und so zeige ich Tools für Computer und Smartphone.

VDZ-Seminar: "Die besten Journalisten-Tools für Smartphone und Computer"

VDZ Seminar: „Die besten Journalisten-Tools für Smartphone und Computer“

Auf meiner Agenda stehen

  • 9 Apps, die auf keinem Journalisten-Smartphone fehlen sollten
  • Diese Zusatz-Hardware lohnt sich für Ihr Handy
  • Evernote: Ihr digitales Gedächtnis
  • Organisation im Redaktionsalltag (Themenplanung, Kommunikation, Cloud-Speicher, Sichere Messenger)
  • Social-Media-Tools

Wer das Seminar bis zum 29. April 2016 bucht, zahlt als VDZ-Mitglied 440 Euro (zzgl. Mehrwertsteuer) bzw. als Nicht-VDZ-Mitglied 590 Euro. Danach kostet die Teilnahme 590 bzw. 720 Euro. Das Seminar findet im schönen Arcona Living München statt.

Mehr Infos und Anmeldung hier.

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Harald Link

Harald Link

Harald Link (@haraldlink) und Susanne Scherf steuern ihre über Deutschland verteilte Medienagentur redaktion3 seit rund vier Jahren mit Smartsheet: Auf einen Blick sehen sie, wer an welchem Thema arbeitet und wie weit der Beitrag fortgeschritten ist. Smartsheet läuft in der Cloud und lässt sich über den Browser benutzen. Im Interview erklärt uns Harald Link, wie sie mit Smartsheet arbeiten und was die Vor- und Nachteile sind.

Smartsheet sieht nach einer Alternative zu Excel aus. Wie steuert man damit eine Redaktion?

Harald Link: Unsere Medienagentur produziert überwiegend Fachzeitschriften. Jedes Thema ist bei uns eine Zeile in einer Tabelle.  Mehrere Zeilen werden zu einer Magazin-Ausgabe gebündelt und entsprechend angezeigt. Zu jedem Thema notieren wir ein Stichwort und welcher Autor das Thema übernommen hat. Smartsheet erlaubt es, an jeder Zeile Dateien anzuhängen, in unserem Fall also zum Beispiel eine Pressemitteilung oder Recherche-Unterlagen. Und man kann an jeder Zeile eine Diskussion über das Thema starten. Da Smartsheet in der Cloud läuft, sehen wir alle immer den selben Stand und so kann jeder sehen, wie weit die Magazin-Produktion schon fortgeschritten ist und wo man ggf. noch eingreifen muss.

Die Themen-Übersicht von Harald Link (Foto: Screenshot)

Die Themen-Übersicht von Harald Link (Foto: Screenshot)

Verschieben wir ein Thema von einer Ausgabe in eine andere, geht das einfach per Drag&Drop. Bei Excel müsste man die Zeile umständlich ausschneiden und an anderer Stelle wieder einfügen.

In der Produktionsphase wiederum schalten wir in ein Gantt-Diagramm um und sehen so wunderbar, ob wir im Zeitplan sind und wo es kritisch werden könnte.

Wie läuft die Abstimmung mit freien Mitarbeitern?

Harald Link: Freie Mitarbeiter sehen nur einen Teil der Tabelle, nämlich ihre Aufträge. So haben sie einen Überblick über ihre Todos und können uns wiederum den Status zurückmelden bzw. sehen, ob ihr Beitrag schon von uns redigiert wurde. Die Kommunikation mit den Fachjournalisten läuft überwiegend per E-Mail.

Was kostet Smartsheet?

Harald Link: Wir haben einen Team-Account, der bis zu 150 Tabellen-Dokument und unbegrenzt viele Zuarbeiter erlaubt. Dieser kostet uns 400 Euro im Jahr. Dabei zahlen wir – neben dem Basis-Account – nur für die User-Accounts, die die Tabellen auch verwalten können. Freie Autoren, die nur auf bestimmte Tabellen zugreifen können, sind dagegen kostenfrei.

Haben Sie Desk-Net einmal ausprobiert?

Harald Link: Ja, wir haben Desk-Net mal getestet, aber das Tool ist eher für Tageszeitungsredaktionen gemacht, die Termine zu vergeben haben. Wir möchten unsere Freien nicht per automatisierten E-Mails aus einem Tool beauftragen. Außerdem fand ich es damals unpraktisch, dass man den Mail-Verkehr mit einem Freien nicht in Desk-Net dokumentieren konnte. Deshalb haben wir uns für Smartsheet entschieden.

Welche weiteren Tools setzen Sie ein?

Der Datenaustausch läuft fast komplett per Dropbox: Jede Datei bekommt am Anfang des Dateinamens das Stichwort aus der Smartsheet-Tabelle in Versalien. So können wir Themen und Dateien leicht zuordnen. In der Dropbox archivieren wir auch alle E-Mails, die wir zur Themen-Abstimmung hin und her schicken, damit wir alle darauf Zugriff haben. Die Inhalte aus der Dropbox wiederum sichern wir automatisch auf die Netzwerkfestplatte, die hier im Büro steht.

Für die Kommunikation innerhalb unseres Kern-Teams benutzen wir inzwischen das Chat-Tool Slack. Damit kommen wir aus dem E-Mail-Wust raus. Slack ist toll, aber man muss es konsequent einsetzen. Wenn man nicht genau weiß, ob eine Information per E-Mail oder per Slack ausgetauscht wurde, ist das Mist.


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© Marco2811 - Fotolia.com

© Marco2811 – Fotolia.com

Statist schätzt, dass 2014 rund 700 Millionen Menschen weltweit WhatsApp benutzten. Auf Platz 2 folgt der vor allem in Asien bekannte Messaging-Dienst QQ-Mobile (siehe Wikipedia.de) mit 542 Millionen Usern und der Facebook Messenger landet mit 500 Millionen Usern auf Platz 3. Auf Platz vier steht Skype mit 300 Millionen Usern.

Und bei Ihnen? Nutzen Sie die beiden Facebook-Dienste WhatsApp oder Facebook Messenger oder nutzen Sie lieber die als sicherer geltenden Dienste Threema oder Telegram, die ich neulich in einem Beitrag vorgestellt habe? Oder setzen Sie auf Dienste wie SMS und den iOS-Dienst iMessage, der sich nahtlos in das Betriebssystem von Apple integriert?

Bitte schreiben Sie Ihre Meinung in den Kommentaren. 

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Holger Schmidt

Holger Schmidt

Netzökonom Holger Schmidt hat den Slack-Gründer Stewart Butterfield für den Focus interviewt. Dieser sagt: „Es ist einfach verrückt, in einem Unternehmen per E-Mails zu kommunizieren. In zehn Jahren wird das niemand mehr tun.“ Butterfield, der schon den Foto-Dienst Flickr gegründet hat – möchte das mit seiner Chat-Lösung Slack ändern. Für den Dienst, den unter anderem die New York Times  nutzt  konnte er in Deutschland unter anderem die Redaktion von Fudder.de überzeugen.

Mein Lese-Tipp: „40 Prozent der Arbeitszeit werden mit E-Mail und Suche verschwendet

Mein Erklär-Stück zu Slack lesen Sie hier. Eine Alternative zu Slack ist Hipchat, das unter anderem die international verteilte Redaktion von Mobilegeeks.de nutzt.

Manchmal habe ich den Eindruck, jeder Deutsche hat WhatsApp auf seinem Smartphone. Das hat den Vorteil, dass man fast jeden – beruflich wie privat – per WhatsApp über seine gewohnte Handynummer erreichen kann. Aber seit der Übernahme von WhatsApp durch Facebook bleibt ein mulmiges Gefühl, was die US-Datenkrake mit den ganzen Handydaten macht. Es gibt sichere Alternativen und bei meiner Recherche habe ich zwei Dienste gefunden, die immer wieder empfohlen werden: Threema und Telegram. Ein Vergleich.

Threema (Foto: Threema)

Threema (Foto: Threema)

Verschlüsselte Verbindung

Beide Anbieter werben damit, dass die Daten auf dem Smartphone des Absenders verschlüsselt und erst auf dem Empfänger-Smartphone wieder entschlüsselt werden. Der Anbieter selbst habe so keinen Zugriff auf die Nachrichten. Threema speichert die Nachrichten nach eigenen Angaben nur so lange, bis sie an den Empfänger übertragen wurden. Ich formuliere bewusst vorsichtig, denn überprüfen kann man die Aussagen von Threema nicht: Der Sourcecode ist nicht öffentlich und eine externe Überprüfung der App hat die Firma bisher aus wirtschaftlichen Gründen abgelehnt, weil jedes Update erneut überprüft werden müsste. Bei Telegram ist der Sourcecode teilweise öffentlich und kann überprüft werden, aber das hat die Stiftung Warentest in einem Vergleich nur bedingt überzeugt. Einer der Kritikpunkte: Während bei Threema alle Nachrichten verschlüsselt sind, muss man bei Telegram den Secure Chat explizit auswählen. Die Datenschutz-Bewertung fällt insgesamt „kritisch“ aus, während Threema als „unkritisch“ eingestuft wird. Zum Vergleich: WhatsApp, Blackberry Messenger und Line bekommen ein „sehr kritisch“.

Telegram (Foto: Screenshot)

Telegram (Foto: Screenshot)

Der Funktionsumfang von Threema und Telegram erinnert an andere Dienste: Man kann Nachrichten, Fotos und Videos an einzelne Personen oder Gruppen (Threema: Bis 20 Personen) schicken und von ihnen empfangen.

Telegram erlaubt Nutzung auf mehreren Geräten gleichzeitig

Threema unterstützt bislang die Smartphone-Plattformen iOS, Android und Windows Phone, Telegram geht deutlich weiter: Es gibt Apps für Windows, Mac, Linux und für den Browser. Während der Telegram-Nutzer eine Nachricht auf allen Geräten gleichzeitig empfängt und beantworten kann, müssen Threema-Nutzer für jedes Gerät eine eigene Threema-ID einrichten und an Freunde und Kollegen verteilen. Das erhöht die Sicherheit, macht die Nutzung auf mehreren Geräten aber umständlich. Der Trick: Für jedes Gerät eine eigene Threema-ID einrichten und dann einen Gruppen-Chat einrichten, in dem die eigenen Geräte und die des Partners eingetragen werden.

Wechselt man später das Smartphone, wird beim Herunterladen der App eine neue Threema-ID generiert und man muss seinen Kontakten die neue ID schicken – bzw. wieder den QR-Code abscannen. Wer die selbe Plattform behält (iOS zu iOS oder Android zu Android) kann seine ID in ein Backup sichern und so behalten. Wie das geht, beschreibt Threema auf seiner Website. Auf Wunsch lässt sich die Threema ID mit der eigenen Handynummer und/oder der eigenen E-Mail-Adresse verbinden, um auf diese Weise von neuen Gesprächspartnern gefunden zu werden.

Die Threema-Server stehen in der Schweiz

Threema gibt an, dass alle Server – die für die App-Nutzung gebraucht werden – in der Schweiz stehen. Telegram hat in einem Tweet mitgeteilt, dass seine Server in Amsterdam, Singapur und San Francisco stehen und das kein Byte an britische, us-amerikanische oder andere Behörden weitergeleitet wurden.

Der Einstiegspreis für die Sicherheit ist niedrig

Threema (Foto: Threema)

Threema (Foto: Threema)

Erfreulich: Die WhatsApp-Konkurrenten sind nicht teuer. Threema kostet einmalig 1,99 Euro (iOS, Android und Windows Phone) und Telegram ist sogar ganz kostenfrei. Finanziert wird Telegram vom wohlhabenden Russen Pawel Walerjewitsch Durow, der zusammen mit seinem Bruder die russische Facebook-Alternative vk.com gegründet hat. Threema möchte seinen Dienst einzig über den Verkaufserlös der App decken, was klappen kann, denn zumindest im iOS-AppStore belegt die App Platz 1 der Liste der meistverkauften Apps und bei Windows Phone Platz 2. Threema war auch die meistverkaufte iOS-App im Appstore im Jahre 2014.

Sicherheit versus Komfort

Höher als die 1,99 Euro (für Threema) ist aus meiner Sicht der Komfort-Verlust: Um wirklich sicher kommunizieren zu können, muss man seine Threema-Kontakte persönlich treffen und gegenseitig den in der App angezeigten QR-Code abscannen. Das mag in einem Team, das sich eh jeden Tag in der Redaktion sieht, funktionieren – wird aber in anderen Fällen schwierig. Und man muss damit leben, dass man – anders als zum Beispiel beim Apple-Dienst iMessage – die Nachrichten immer nur auf einem Gerät empfangen und beantworten kann. Erhält man eine Nachricht, zeigt das iPhone zwar eine Push-Nachricht an – aber nicht gleich den Inhalt der Nachricht, denn die wird ja erst von der App beim Öffnen entschlüsselt. Viele kleine Punkte, bei denen sich Threema für Sicherheit und gegen Komfort entschieden hat.

Fazit

Mit Threema und Telegram kann man gefühlt deutlich sicherer Nachrichten von Smartphone zu Smartphone schicken als mit WhatsApp und Co. Mir hat bei Threema gefallen, wie konsequent auf die Sicherheit geachtet wird – auch wenn darunter der Nutzungskomfort leidet. So wird man bei der Installation gefragt, ob man sein Adressbuch hochladen möchte und man kann den Dienst nutzen, ohne seine Handynummer und/oder seine Mailadresse einzutragen. Letztlich sind Threema und Telegram aber keine Massen-Dienste und man muss seine Kollegen und Freunde davon überzeugen, den Dienst zu nutzen. Bei WhatsApp und erst recht bei iMessage (Standard auf jedem iPhone und automatisch aktiviert!) braucht man weitaus weniger Überzeugungskraft.

Update (12. März 2015): Kurz nach der Veröffentlichung dieses Beitrages hat Telegram per Twitter mitgeteilt, dass die europäischen Server seit Juni 2014 in Amsterdam und nicht mehr in London stehen. Ferner sei bis heute kein Daten-Byte an britische, us-amerikansiche oder andere Behörden weitergeleitet worden. Ich habe den Absatz aktualisiert und den Tweet eingebettet.

Update (17. Mai 2015): Korrektur: Man kann – anders als in dem Beitrag erwähnt – die Threema-ID auf ein neues Smartphone (derselben Plattform) mitnehmen: Also von iOS auf iOS oder von Android auf Android. Wie das geht, beschreibt Threema auf seiner Website. Danke für den Hinweis an den User Niels.

Update (6. April 2016): WhatsApp hat heute angekündigt, alle Nachrichten mit einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zu schützen. 


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Bei meiner Recherche zum Thema LiveBlogging bin ich auf Kassel-Live.de von der Hessische/Niedersächsische Allgemeine (seit 2002 Teil der Ippen-Gruppe) aufmerksam geworden. Im Interview hat mir Jens Nähler, Ressortleiter HNA Online, das Konzept und die Technik hinter Kassel-Live erläutert.

Was genau ist Kassel-Live?

Die Website informiert in Kurzform über Ereignisse in Kassel. Inzwischen verzeichnet sie rund 20.000 Seitenaufrufe pro Tag – ohne Tricks wie Bilderstrecken. Das ist vergleichbar mit der Reichweite ganzer HNA-Lokalressorts mit eigenen Redaktionen. Kassel-live, das inzwischen mit dem Blogsystem WordPress läuft, setzt auf  einen Themenmix aus Nachrichten, Service und Unterhaltung in der (Kurz-)Form eines Tickers oder Newsfeeds. Es ist optimiert für den schnellen Zugriff von unterwegs.

Startseite von Kassel-Live (Foto: Screenshot)

Startseite von Kassel-Live (Foto: Screenshot)

Woher kommen die Inhalte für Kassel-Live?

Täglich ist in zwei Schichten morgens und abends je ein Volontär oder freier Mitarbeiter mit Smartphone oder Tablet draußen, um Geschichten zu finden – und direkt von unterwegs zu veröffentlichen. Alle HNA-Redakteure, die thematisch mit Kassel-Themen beschäftigt sind, schreiben im Idealfall zuerst eine Meldung auf Kassel-Live, bevor sie auf unserem Nachrichtenportal HNA.de eine Langfassung veröffentlichen.  In unserer Redaktion hat jeden Tag ein Kollege „Kassel-Live-Dienst“. Er behält die sozialen Netzwerke, in erster Linie Twitter, Instagram und Facebook, im Blick. Vierte Quelle sind unsere Leser, die jeden Tag mehrere Beiträge über ein Formular schicken. Das sind oft Schmuckbilder, aber auch Verkehrs- oder Blaulichtmeldungen. Alle Leserbeiträge werden vor der Veröffentlichung geprüft. Außerdem kooperieren wir mit einer Facebookseite, die sich auf lokale Blitzermeldungen spezialisiert hat..

Wie schnell ist Kassel-Live?

Dazu gibt es eine schöne Anekdote, die unser Chefredakteur gerne erzählt: Er erlebte einen Unfall mit, fuhr rechts ran und wollte schnell ein Foto für Kassel-Live veröffentlichen. Aber ein Leser – der den Unfall aus seinem Fenster beobachtet hatte – war schneller. Das ist natürlich der Ideal- und nicht der Regelfall. Aber wir werden immer schneller…

Reden wir mal über die Technik: Welche Tools setzt Ihr ein?

Kassel-Live hat auf Tumblr angefangen, weil wir binnen weniger Tage eine Website einrichten und unser IVW-Pixel einbauen konnten. Die Oberfläche und vor allem die Apps sind besonders einfach zu bedienen.

Nach sechs Monaten sind wir auf WordPress umgestiegen, weil es uns mehr Möglichkeiten bietet. Wir haben alle Redakteure für die Nutzung der WordPress-App sowie des WordPress-Backends geschult. So mancher hat dabei erstmals mit einem Smartphone wirklich mobil gearbeitet statt nur zu telefonieren.

Für die Überwachung von Twitter nutzen wir Tweetdeck, für Facebook haben wir uns eine Liste angelegt und mit iconosquare.com haben wir Instagram anhand von Schlagworten im Blick.

Die interne Kommunikation der Onliner läuft inzwischen über das Chat-Tool Slack, das wir auch für den Austausch mit anderen Abteilungen nutzen. Wir setzen auch Trello fürs persönliche Projektmanagement ein, aber das hat sich nicht bei jedem durchgesetzt.

Wie geht’s weiter mit Kassel Live?

Derzeit entwickeln wir eine App für Kassel-Live, die im März starten soll. Dann können wir unsere Leser per Push-Nachricht informieren und sie können die Inhalte zum Beispiel nach Stadtteilen als Favoriten filtern.

Sie möchten auch eine Website mit WordPress starten? Dann finden Sie im Themen-Schwerpunkt Bloggen Beiträge von Installation und Konfiguration von WordPress sowie nützliche Plugins um die Funktionen Ihrer Website zu erweitern. Darüber hinaus Tipps, was Sie für eine erfolgreiche Website beachten sollten.

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Carolin Buchheim

Carolin Buchheim

Als ich vor rund sechs Monaten das Chat-Tool Slack in einem Beitrag vorgestellt habe, konnte mir das Unternehmen keine deutsche Redaktion nennen, die ihr Tool nutzt. Dank Twitter bin ich auf die Badische Zeitung aufmerksam geworden, deren fudder.de-Redaktion Slack benutzt. Im Interview berichtet Redakteurin und Projektmanagerin Carolin Buchheim (@misscaro) von ihren Erfahrungen. Eine Alternative zu Slack ist übrigens Hipchat, das die Redaktion von Mobilegeeks.de nutzt. Mein Interview mit Sascha Pallenberg lesen Sie hier.

Was ist Slack genau?

Slack ist auf den ersten Blick ein typisches Instant-Messaging-Programm. Wir haben bisher PSI benuzt, aber waren auf der Suche nach einem Programm, das auch mobil problemlos funktioniert und sind bei Slack fündig geworden. Da wir über mehrere Standorte verteilt sind, lief die Kommunikation bislang über E-Mail und Telefon. Slack läuft im Browser und auf dem Smartphone, so dass man jederzeit mitbekommt, was gerade diskutiert wird.

Wie sind die ersten Erfahrungen?

Wir haben das Tool seit rund vier Monaten im Einsatz. Ich hatte nur extrem gute Sachen über Slack gehört und war deshalb skeptisch, aber Slack ist sehr einfach zu bedienen und schön gemacht. Man kann Text-Nachrichten austauschen, aber auch Links und Bilder verteilen. Wir können virtuellen Räume anlegen, um uns mit bestimmten Kollegen auszutauschen.

Slack wirbt damit, dass man viele andere Tools einbinden kann?

Das ist super: Wir haben Twitter integriert und sehen sofort, wenn wir auf Twitter angesprochen wurden oder ein Tweet von uns verschickt wurde. So sind alle im Team informiert und können schnell reagieren. Derzeit würde ich mir noch eine Anbindung an unseren Themen-Planer wünschen.

Ist Slack auch etwas für den mobilen Einsatz?

Wir nutzen Slack derzeit unter anderem für Außenreporter, die zum Beispiel in einer Ratssitzung sind. Die können uns dann per Slack auf dem Laufenden halten und Beiträge für einen Live-Ticker schicken. Auch Bilder können auf die Weise übertragen werden.

Was kostet Slack?

Wir nutzen derzeit den kostenfreien Slack-Account, der gewisse Einschränkungen hat. So umfasst das Archiv nur die jüngsten 10.000 Nachrichten. Wir nutzen Slack derzeit mit 15 Personen, aber ich würde gerne auch die freien Mitarbeiter einbinden.