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Universalcode 2020 (Foto: Cover)

Universalcode 2020 (Foto: Cover)

Das neue Buch von Christian Jakubetz verspricht viel: Den Universalcode für den Journalismus im Jahr 2020 möchte uns der Autor präsentieren. Auf 200 Seiten beschreibt der Redaktionsberater, welche Möglichkeiten der Digital-Journalismus bietet und wie Videos, Bilder und Töne besser werden bzw. wie Social Media und Mobil Reporting funktionieren. Leider geht das Buch an vielen Stellen zu wenig in die Tiefe, so dass sich der Kauf (24,99, unter anderem bei Amazon.de) in erster Linie für Einsteiger in den Digitalen Journalismus lohnt.

Anders als die erste Fassung von Universalcode aus dem Jahre 2014 hat Jakubetz diesmal fast komplett auf Gastautoren verzichtet. Ich persönlich finde das schade, denn so bekommt man nur seine Sicht auf die Zukunft – und keinen Chor mit jeweils eigenem Blickwinkel. Einzige Ausnahme ist ein Kapitel, in dem der Bayrische Rundfunk darstellen kann, wie „Journalismus 3.0“ funktionieren soll. Aber warum kommt nur der BR zu Wort?

Nach einer Einführung in den Digital-Journalismus (Jakubetz spricht bewusst nicht von Online-Journalismus) bespricht er die einzelnen Darstellungsformen Text, Video, Audio, Foto und erklärt, wie Echtzeit-, Social- und Mobil-Journalismus funktionieren. Hier hätte ich mir entschieden mehr Tiefgang gewünscht: Statt auf vier Seiten die Dateiformate von Videos zu beschreiben, hätte ich gerne mehr praktische Tipps und App-Empfehlungen gelesen. Stattdessen empfiehlt Jakubetz im Kapitel „Das Video-Equipment“ auf knapp 3 Seiten, dass man immer ein Stativ und ein gutes externes Mikrofon benutzen soll. Konkrete Produkte oder Marken werden nicht genannt. Nur beim Thema Schnittprogramme wird es etwas konkreter: Movie Maker (Windows) bzw. iMovie (iOS , MacOS).

Ein anderes Beispiel: Ab Seite 163 beschreibt der Autor die drei wichtigsten Veränderungen des Journalismus. Das sind: Die Bedeutung linearer Programme sinkt, das Verhältnis zwischen Journalist und Konsument ändert sich radikal und wir werden immer mobiler. Wow, das ist echt neu!

Wer sich schon jetzt intensiv mit dem Wandel im Journalismus beschäftigt, der sollte das Buch von Christian Jakubetz nicht kaufen. Interessant ist das Buch für Einsteiger , die sich bisher schwer getan haben mit dem Digital-Journalismus und die in leicht verständlicher Schreibweise einen ersten Überblick bekommen möchten.

Universalcode 2020, Content + Kontext + Endgerät, Christian Jakubetz, ISBN 978-3-86764-681-9

Hinweis: Die UVK Verlagsgesellschaft hat mir ein Exemplar des Buches als E-Book kostenfrei zur Verfügung gestellt.

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Live-Blogging-Tools gibt es wie Sand am Meer: ScribbleLive, LiveBlog oder Tickaroo. Die Gründer von Storytile, zwei Fotografen aus München, möchten sich davon bewusst absetzen und legen ihren Schwerpunkt auf Foto-Reportagen.

Storytile-App lädt die Bilder direkt aus der Kamera

Storytile Connect im Einsatz (Foto: Storytile)

Storytile Connect im Einsatz (Foto: Storytile)

Viele Redaktionen kennen das Problem: Ein bild-lastiges Ereignis steht an und die Redaktion möchte schnell die Bilder online stellen können. Für solche Einsätze hat Storytile eine spezielle App entwickelt. „Der Fotograf verbindet seine Kamera mit dem Handy und startet die App. Jedes geschossene – oder vom Fotografen ausgewählte – Bild wird automatisch in unser System übertragen“, erklärt Storytile-Gründer Oliver Seidl. Auf Wunsch werden die Bilder vor dem Upload auf eine bestimmte Auflösung heruntergerechnet, um den Daten-Tarif zu schonen. Selbst bei schlechter Mobilfunk-Verbindung seien die Bilder nach maximal 20 bis 40 Sekunden im System. Der entscheidende Vorteil: Der Fotograf schießt ein Bild nach dem anderen und muss sich um das Übertragen und Vertexten nicht kümmern. Nach dem Upload zu Storytile können die Fotos zusätzlich per FTP auf einen Server der Redaktion übertragen und von dort in das hauseigene Redaktionssystem importiert werden. Bislang gibt es die App nur für Android, aber bis Ende des Jahres soll eine iOS-Version folgen.

Storytile Connect lädt auf Wunsch nur ausgewählte Bilder hoch (Foto: Screenshot)

Storytile Connect lädt auf Wunsch nur ausgewählte Bilder hoch (Foto: Screenshot)

Der Redakteur am Desk kann die eintreffenden Bilder direkt im Web-Backend von Storytile bearbeiten (Beschneiden, Drehen, Farben ändern) und dann in der von ihm gewünschten Reihenfolge in seinen LiveBlog schieben. „Die Inhalte müssen nicht chronologisch angezeigt werden. Der Redakteur hat zudem die Möglichkeit, die Bilder in unterschiedlichen Größen zu platzieren und mit Text zu ergänzen“, sagt Seidl im Interview. Zusätzlich zu den Bildern kann der Redakteur Texte, Tweets und Youtube-Videos im Stream platzieren. Das ist derzeit noch umständlich, weil storytile keine direkte Suche bei Twitter oder Youtube unterstützt. Das soll aber verbessert werden. Derzeit arbeiten die Entwickler an der Integration von Facebook und Instagram. Für den Reporter vor Ort gibt es die Web-App „Storytile Reporter“. Mit ihr kann der Journalist auch ein Foto schießen, wenn er eine schönere Perspektive hat als der Fotograf.

Das Storytile-Backend: In der Mitte der LiveBlog, rechts der neu einlaufende Content (Foto: Screenshot)

Das Storytile-Backend: In der Mitte der LiveBlog, rechts der neu einlaufende Content (Foto: Screenshot)

In der Beta-Phase kostenfrei

Bis Ende August läuft die Beta-Phase von Storytile. In dieser Zeit können Portal-Betreiber oder Fotografen das Tool kostenfrei nutzen. Nach und nach sollen Fehler korrigiert und weitere Funktionen hinzukommen. „Wir möchten zum Beispiel einen Marktplatz etablieren. Dort kann ein Fotograf – der von einem Event berichtet – seine Bilder anbieten. Und eine Agentur oder ein Nachrichten-Portal (als Beispiel eine Storytile-Integration bei Web.de) kann mit unserem Tool einen LiveBlog mit Bildern und Texten produzieren und anderen Portalen verkaufen“, erklärt Seidl die Idee.

Das Konzept von Storytile haben Oliver Seidl und sein Partner Paul Knecht – beides studierte Fotografen – seit 2013 laufend weiterentwickelt und präsentieren es aktuell Agenturen und Verlagen. „Wir haben auf dem Oktoberfest beobachtet, dass viele Fotografen immer wieder die Speicherkarte ins Notebook stecken mussten, um Bilder in die Redaktion zu schicken. Mit Storytile Connect ist das nicht mehr notwendig und der Fotograf kann sich aufs Fotografieren konzentrieren“, sagt Seidl. Der gelernte Fotograf empfiehlt für den Einsatz eines Telefons nur für die Datenübertragung. So sei man mit dem Haupt-Handy weiterhin telefonisch erreichbar. „Wir haben uns sehr robuste Samsung-Geräte gekauft, bei denen man den Akku wechseln kann und die ein bisschen Regen aushalten“, berichtet Seidl.

Preismodell: Flatrate

Storytile-Gründer Oliver Seidl (Foto: Storytile)

Storytile-Gründer Oliver Seidl (Foto: Storytile)

Noch möchte Seidl nicht all zu viel über das künftige Preismodell verraten. Soviel lässt er sich aber entlocken: „Wir werden ein Flatrate-Modell anbieten, das je nach Anzahl LiveBlogs bzw. User gestaffelt wird.“ Die Beta-Phase soll helfen, die Anforderungen an die Server-Infrastruktur (derzeit bei Microsoft) besser einschätzen zu können, was natürlich Auswirkungen auf die Preise haben wird. „Wir haben bisher mit einem sehr großen Portal zusammengearbeitet und haben gesehen, dass unsere Cloud-Lösung sehr stabil arbeitet“, so der Gründer.

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Bernd Oswald (Foto: Andreas Unger)

Bernd Oswald (Foto: Andreas Unger)

Der Journalismus war auch auf der Republica 2015 eines der wichtigsten Themen. Autor und Trainer Bernd Oswald (@berndoswald) stellt auf Torial.com vier interessante Tools vor, um Geschichten besser zu erzählen:

  • Luminoise – die App für Fotofilme
  • Storytile – der Multimedia-Live-Ticker
  • Lobbyradar: Kampf den Interessenkonflikten
  • Let’s play… Geschichte

Deshalb meine Lese-Empfehlung: „Fotofilmen, tickern, aufdecken, gamen: Journo-Innovationen auf der rp15„.

Update (23. März 2016): Die Website von Luminoise ist leider nicht mehr erreichbar. Ich habe den Link entfernt.

Alexandra Röderer (Foto: Dominic Rock)

Alexandra Röderer (Foto: Dominic Rock)

Gastautorin Alexandra Röderer (@frauvominternet) arbeitet seit 2008 bei der Badischen Zeitung, schreibt und filmt, liebt Nachteinsätze und Fußball. Sie ist Absolventin der Deutschen Journalistenschule in München. Dort wurde sie crossmedial ausgebildet und verlor ihr Herz an den Onlinejournalismus.

Festivals, Demonstrationen, Sportereignisse, Expertenchats – mit Flypsite lassen sich solche Events schnell und interaktiv abbilden. Mit dem Tool von 4=1 aus Hamburg können eigene Textelemente, Nachrichten von Twitter, Instagram, Facebook oder Google+ veröffentlicht werden. Hierzu stehen verschiedene Vorlagen zur Verfügung: ein vertikaler Stream mit ein oder zwei Spalten sowie ein dreispaltiger Kachel-Client, bei dem verschiedene Felder befüllt werden können. Bei Letzterem erinnert das Ergebnis an eine Fototapete.

Mit einem speziellen Plugin lassen sich beliebige Inhalte aus dem Netz fischen und veröffentlichen. Daneben besteht die Möglichkeit über sogenannte Kollektoren Tweets, Fotos oder auch Facebookeinträge einzusammeln. Das Event muss dafür mit einem bestehenden Account verknüpft sein. Gesammelt wird über Hashtags und/oder User.

E-Mail-Import statt App

Reporter können den Ticker ganz einfach füttern, indem sie eine Textnachricht per E-Mail absetzen – egal ob mit dem Smartphone, iPad oder Computer. Auf diesem Weg lassen sich auch Fotos oder auch Fotogalerien einspeisen. Flypsite bietet zudem die Möglichkeit, Videos von Youtube einzubinden. Der Redakteur bestimmt, ob Inhalte erst gesichtet und dann freigeschaltet werden, oder ob diese automatisch einlaufen dürfen. In der Praxis hat sich eine Mischung aus beidem bewährt.

User können Beiträge kommentieren

Flypsite kann als Liveticker-Tool verwendet werden, für Chats mit Bürgermeisterkandidaten oder als Gefäß für die schönsten Bilder auf Twitter oder Instagram von einem Fasnachtsumzug. Redaktioneller Inhalt sowie Content aus sozialen Netzwerken lassen sich beliebig zusammenstellen, mischen oder getrennt voneinander darstellen. Jede Meldung, jedes Bild kann von Usern kommentiert werden. Diese Beiträge müssen freigeschaltet werden und sind wiederum kommentierbar. Auf diese Weise können sowohl die Leser untereinander als auch die Redaktion mit den Usern in Kontakt treten und kommunizieren.

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Ich werde immer wieder gefragt, welche Apps aus meiner Sicht ein Journalist auf seinem Smartphone haben sollte. Und ich nenne dann bewusst nicht Video-Schnitt-Apps wie Videolicious oder Twitter-Zusatzdienste wie Nuzzel, sondern einfache Apps, die einem den Alltag erleichtern und für alle Journalisten nützlich sind. Hier meine persönliche Liste der neun Apps, die auf keinem Smartphone fehlen sollten.

1. Tomtom Navigation

TomTom (Foto: Screeenshot)

TomTom (Foto: Screeenshot)

Als ich 1993 beim Solinger Tageblatt als freier Journalist anfing, hing ein großer Stadtplan in der Redaktion, um vor der Fahrt zu einem Termin schnell zu prüfen, wo der Ort des Geschehens ist. Heute nutze ich privat und beruflich die TomTom-App, denn sie hat aus meiner Sicht zwei große Vorteile: Das Display ist sehr aufgeräumt und die Stau-Umführung ist nahezu perfekt. TomTom empfängt von tausenden Nutzern aktuelle Stau-Daten und nutzt zusätzlich historische Daten – und das auch innerhalb der Städte, nicht nur auf Autobahnen.

Die App mit dem Kartenmaterial für Deutschland, Österreich und Schweiz kostet 19,99 Euro für iOS (hier der Link zum Store) bzw. für Android (hier der Link zum Store). Wer weniger als 75 Kilometer pro Monat navigiert muss gar nichts bezahlen.

2. Evernote

Evernote (Foto: Screenshot)

Evernote (Foto: Screenshot)

Das externe Gedächtnis von Evernote speichert Recherche-Material, scannt Visitenkarten und weitere Unterlagen und erlaubt den Zugriff auf all diese Daten per Browser, Desktop-Programm oder Smartphone bzw. Tablet. Wer mehr zu Evernote wissen möchte, dem empfehle ich meinen Themen-Schwerpunkt Evernote.

Die App (für iOS, Android, Windows Phone) selbst ist kostenfrei, wer Evernote intensiver nutzt, sollte für 40 Euro im Jahr einen Premium-Account buchen.

3. ProCamera8

ProCamera 8 (Foto: Screenshot)

ProCamera 8 (Foto: Screenshot)

Die beste Kamera ist bekanntlich die, die man immer dabei hat. ProCamera8 (nur für iOS erhältlich) besticht durch ihre zahlreichen Einstellungsmöglichkeiten bei gleichzeitig einfacher Bedienung: Focus- und Lichtmess-Punkt lassen sich separat einstellen, dazu Weißabgleich, Belichtungskorrektur und vieles mehr. Auf Wunsch löst die Kamera erst aus, wenn das Smartphone ruhig gehalten wird. Die Bilder werden als TIFF- oder Jpeg (Kompressionsgrad einstellbar) gespeichert und gleich mit Copyright-Hinweisen in den Exif-Daten versehen. Selbstredend kann man sie vor dem Abspeichern auch umfangreich nachbearbeiten.  All das für vergleichbare lächerliche 2,99 Euro einmalig.

Für Android habe ich leider keine vergleichbare App gefunden. Da ich selbst kein Android-Gerät benutze, verweise ich an dieser Stelle an die Übersicht der „besten Kamera-Apps für Android“ auf androidpit.de.

Wer öfter Fotos mit seinem Smartphone macht und besser werden möchte, dem empfehle ich meinen Beitrag „Warum Sie mit einer gekauften Foto-App bessere Bilder machen

4.  Cogi

Cogi (Foto: Screenshot)

Cogi (Foto: Screenshot)

Selten muss man ein Interview wirklich von Anfang bis Ende aufzeichnen. Wer nur die wichtigsten Passagen speichern möchte, der kann hierfür die kostenfreie App Cogi (für iOS und Android) verwenden.  Zu Beginn eines Gesprächs startet man eine neue „Session“ und drückt bei interessanten Sätzen kurz auf den großen Button. Die App speichert dann 15 Sekunden vor dem Knopfdruck – und bis man wieder auf den Knopf drückt alles Gesagte. Am Ende einer Session kann man sich in der App alle markierten Passagen erneut anhören und transkribieren.

In einem eigenen Beitrag „Die besten Diktiergerät-Apps für iPhone und Android“ habe ich weitere Apps vorgestellt. Der Beitrag gehört zu den am meistgeklickten Beiträgen auf Journalisten-Tools.de.

5. Threema

Threema (Foto: Threema)

Threema (Foto: Threema)

Es mag Sie wundern, aber privat nutze ich kein WhatsApp, weil ich nicht möchte, dass eine App mein komplettes Adressbuch an Facebook überträgt. Jüngst habe ich mich deshalb mit der Frage beschäftigt, welche sicheren Alternativen es zu WhatsApp gibt. Threema – aus der Schweiz – legt großen Wert auf die Sicherheit. Die Nachrichten werden auf dem Smartphone des Absenders verschlüsselt und erst beim Empfänger wieder entschlüsselt. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, scannt einmalig den QR-Code der Threema-App eines Kollegen oder Freundes (und dieser den eigenen QR-Code), um dann künftig untereinander sicher Nachrichten austauschen zu können. Threema-Nachrichten kann man zwischen einzelnen Personen aber auch innerhalb einer Gruppe von bis zu 20 Personen austauschen. Ideal, um die Kollegen laufend über Recherche-Ergebnisse oder die aktuellen Aufgaben zu informieren. Die App für iOS, Android und Windows Phone kostet einmalig 1,99 Euro.

Mehr zu Threema und den Alternativen finden Sie in einem eigenen Beitrag: „Sicherer als WhatsApp: Threema und Telegram im Test

6. 1Password

1Password (Foto: Screenshot)

1Password (Foto: Screenshot)

Seien wir ehrlich: Jeder weiß, dass man besser für jeden Dienst ein anderes Passwort benutzt. Aber in der Realität kann sich keiner so viele Kennwörter merken und deshalb benutzen viele nur eine Handvoll Passwörter, was auf Dauer unsicher ist. Die Lösung: Ein Passwort-Manager wie 1Password (Android, iOS, Windows, Mac). Das Programm funktioniert wie ein Safe: Nach Eingabe eines Master-Kennwortes (das man sich merken muss!) hat man Zugriff auf alle Kennwörter für alle Dienste. Speichern kann man dort auch Kreditkarten-Daten oder Lizenz-Schlüssel für Software. Auf Wunsch werden die Daten zwischen Smartphone und Desktop per WLAN, Dropbox oder iCloud synchronisiert.

1Password für iOS und Android ist in der Basis-Version kostenfrei. Die Freischaltung der Pro-Funktionen kostet einmalig 6,99 Euro (iOS) bzw. 7,94 Euro (Android).

7. Pocket

Pocket (Foto: Screenshot)

Pocket (Foto: Screenshot)

Pocket (oder der Konkurrent Instapaper) ist wie ein digitaler Zeitungsstapel: Texte und Videos, die man im Netz findet und später in Ruhe lesen möchte, wandern auf Knopfdruck in die Pocket-Datenbank und lassen sich dann bequem auf dem Smartphone (oder Tablet) lesen. Super praktisch, um Wartezeiten oder ruhige Momente auf der Couch sinnvoll zu nutzen um die Texte in Ruhe zu lesen, zu denen man im stressigen Büro-Alltag nicht kommt.

Pocket und Evernote lassen sich übrigens sinnvoll kombinieren: Texte, die man nach einer Lektüre dauerhaft archivieren möchte, schickt man von Pocket aus direkt in Evernote. So hat man sein Archiv komplett in einem Tool. Pocket ist auf Android, BlackberryiOS und Windows Phone erhältlich und kostet nichts. Der Premium-Account kostet 39,99 Euro im Jahr, aber das Geld sollte man besser in Evernote Premium investieren.

8. Todoist

Todoist (Foto: Screenshot)

Todoist (Foto: Screenshot)

Todoist ist eine einfache Aufgabenverwaltung, mit der Sie Ihre Todos stetig im Blick behalten. Der große Vorteil: Todoist läuft auf dem Smartphone (Android und iOS) aber auch auf dem Desktop oder dem Browser. Dank der automatischen Synchronisation haben Sie jederzeit von überall Zugriff auf Ihre Aufgaben und können diese abhaken. Ich möchte den Komfort nicht mehr missen, nicht ständig auf der Suche nach dem Zettel zu sein, auf dem ich meine Aufgaben notiert habe. Todoist lässt sich auch im Team einsetzen, um so gemeinsam an Aufgaben zu arbeiten.

Todoist ist in der Basisversion kostenfrei. Ein Premium-Account kostet 23 Euro im Jahr oder 2 Euro im Monat.

9. ???

Welche neunte App sollte jeder Journalist auf seinem Smartphone haben? Ich bin mir nicht sicher und bitte Sie um Unterstützung: Welche App fehlt aus Ihrer Sicht? Ohne welche App möchten Sie nicht mehr arbeiten? Verfassen Sie einen Leserkommentar unter diesem Beitrag oder schreiben Sie mir eine E-Mail.

Update (29. Januar 2016): TomTom bietet seine Navi-App für Android ab sofort kostenfrei an. Pro Monat kann man sie allerdings „nur“ für 75 Kilometer nutzen. Wer mehr braucht, zahlt 20 Euro pro Jahr oder 45 Euro für 3 Jahre. Darin enthalten ist der Stau-Service TomTom Traffic. 

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Christian Rothmund (Foto: Katrin Rothmund)

Christian Rothmund (Foto: Katrin Rothmund)

Gastautor Christian Rothmund (38), leitet seit 2010 gemeinsam mit Matthias Oberth nordbayern.de, das Portal von Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung. Neben seiner Funktion als Chef der Online-Redaktion ist er auch zuständig für die Produktentwicklung digital im Verlag und arbeitet dabei eng mit der Entwicklungsabteilung von kicker.de zusammen.

Warum nicht mal da nachschauen, wo das Ganze begonnen hat? Seine Ursprünge hat das Liveblogging bekanntermaßen in der Sportberichterstattung. Bei nordbayern.de und kicker.de haben wir uns vor einigen Monaten dafür entschieden, einen Sportticker als Liveblog-Tool zu zweckentfremden. Ein Trainingslager und mehrere Testspiele später haben wir damit jetzt Turnierform erreicht.

Die Story dahinter

Tickaroo-Gründerin Naomi Owusu (Foto: www.mattundglaenzend.de)

Tickaroo-Gründerin Naomi Owusu (Foto: www.mattundglaenzend.de)

Angefangen hat die Geschichte – wie so oft in Bayern – mit einer Kabinenparty. Eigentlich hatte das Team von Tickaroo mit seinen Apps Amateursportlern ein schlichtes Werkzeug an die Hand geben wollen, um Fußballspiele, Tischtennisturniere oder Kegelpokale tickern zu können. Quasi als Notanker für nicht bedachte Sportarten hatten die Regensburger Entwickler die Option „Sonstige Sportevents“ eingebaut.

„Auf einmal haben die User angefangen, damit von ihren Vereinsfeiern zu bloggen“, erzählt Naomi Owusu (33), Gründerin und Geschäftsführerin von Tickaroo. Eine Anwendung, die so intuitiv ist, dass auch Kreisklassenfußballer kurz vor Mitternacht noch von der Weihnachtsfeier zielgenau damit tickern können, war dann auch genau das Werkzeug, das wir gesucht haben, um unsere Zeitungsredakteure davon zu überzeugen, dass Liveblogging Spaß machen kann. Da wir bereits in anderen Projekten erfolgreich mit der Agentur kooperiert hatten, haben wir Tickaroo in dem Bestreben gestärkt, das Tool zu einem kompletten Liveblog-Werkzeug auszubauen.

So funktioniert’s

Bedient wird der Tickaroo-Ticker wahlweise über eine native Smartphone-App (für Android und iOS verfügbar, beide sollen noch im Frühjahr einen Relaunch verpasst bekommen) oder ein komfortables Web-Backend. Bisher haben wir bei nordbayern.de und kicker.de meist beide Möglichkeiten kombiniert eingesetzt. Während die Reporter vor Ort mit der App arbeiten, kümmert sich ein Kollege in der Redaktion um die Einbindung von Social-Media-Content und Agentur-Material.
Die Administration erfolgt über das übersichtliche Tickaroo-Web-Backend.

Die Administration erfolgt über das übersichtliche Tickaroo-Web-Backend.

Unterm Strich kann der Tickaroo-Ticker annähernd das, was Scribble Live auch bietet. Automatisierte Chronologie, Text, Bilder/Slideshows, Videos sowie die Einbindung von Twitter, Instagram, Youtube, Vimeo und sogar Spotify-Playlists. Auch das immer beliebter werdende Video-Tool Vine haben wir via Twitter erfolgreich einbinden können. Ein optionales „Scoreboard“ erlaubt zudem die klassische Verwendung als Sportticker. Probleme machen aktuell noch Facebook-Posts. „Wir scheuen uns ein bisschen davor, weil uns die Kollegen aus Menlo Park das mit ihrem SDK nicht ganz leicht machen“, sagt Tickaroo-Chefin Naomi, sie möchte aber zumindest das Einbinden von Fanpage-Posts in kürze ermöglichen.
Ebenfalls in diesem Frühjahr will Tickaroo den Multi-User-Ticker launchen, mit dem es dann auch möglich sein wird, andere Anwender zum eigenen Ticker einzuladen, um einen Liveblog mit mehreren personalisierten Reportern zu bestreiten. Da App und Web-Backend frei verfügbar sind, könnte man bei Großereignissen also auch Ticker mit User-driven Content anbieten.

So viel Technik muss sein

Die Einbindung des Tickers in die eigene Website erfolgt asynchron über ein Javascript-Snippet. Die API-Dokumentation ist auf drei Din-A-4-Seiten zusammengefasst. Und mehr braucht es auch nicht. Im via AJAX ausgelieferten HTML sind wenige CSS-Klassen definiert, die vom Designer der ausgebenden Website in der jeweiligen CI beliebig angepasst werden können. Bei nordbayern.de haben wir Polopoly als CMS im Einsatz. Hier haben wir ein Modul gebaut, in dem der Redakteur die Ticker-ID und einige Parameter einstellen kann. Das Modul platziert er dann wie eine Slideshow im Artikel.
Unabhängig vom CMS sollte die Einbindung sicher nicht mehr als 1-2 Entwickler-Tage in Anspruch nehmen.

Jetzt geht’s ums Geschäft

Ihre „Spielerfahrung“ haben die meisten Softwareentwickler von Tickaroo bei der Agentur Kupferwerk gesammelt,  wo sie unter anderem Apps für „Sport 1“ und „kicker.de“ entwickelt haben. Kupferwerk zählt mittlerweile zu den Marktführern im deutschen App-Kosmos und kümmert sich unter anderem um das Erscheinungsbild von TV-Sendern, Brause- und Autoherstellern auf Smartphones und Tablets. Tickaroo ist sozusagen eine Startup-Ausgründung, da sich ein Teil der Kupferwerker wieder auf das Kerngeschäft Sport und Ticker konzentrieren wollte.
Die Ticker-App ist bewusst schlicht gehalten und sehr intuitiv zu bedienen.

Die Ticker-App ist bewusst schlicht gehalten und sehr intuitiv zu bedienen.

Seit 2013 bieten die Regensburger eine Plattform für User generierte Liveticker an. Und wenngleich das Entwickeln von Apps inzwischen auch bei Tickaroo das „Brot- und Buttergeschäft“ darstellt, versichern die Oberpfälzer, dass der Liveticker nach wie vor eine echte Herzensangelegenheit für sie ist.

Die Nutzung der Ticker auf der Tickaroo-Plattform ist ebenso kostenlos wie die Einbindung des Widgets per iframe in die eigene Website. Für die professionelle Darbietung ist das allerdings weniger geeignet. Für Verbände und Verlage bietet Tickaroo deshalb seine kostenpflichtige Programmierschnittstelle (API) an. Die Lizenz-Fee beträgt 260 Euro im Monat inklusive Traffic und Support. Der große Vorteil: Die Gebühren sind unabhängig von der Reichweitenentwicklung. Im Gegensatz zum Geschäftsmodell von Scribble live wird man hier also nicht für erfolgreiches Arbeiten bestraft.
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Oliver Havlat

Oliver Havlat

Gastautor Oliver Havlat leitet die Gemeinschaftsredaktion der deutschen Verbraucherzentralen, war zuvor Leitender Redakteur Digitales der Rheinischen Post in Düsseldorf (rp-online.de) und Redaktionsleiter von shz.de in Flensburg. Oliver beschäftigt sich mit Themen wie der Digitalisierung des Arbeitsalltags, aber auch mit Reisegeschichten, die sich um das Thema Wasser ranken. Seine Website: oliverhavlat.de.

Es kommt selten vor, dass ein relativ großes Verlagshaus ein Open Source-Produkt aus einer relativ kleinen Softwareschmiede einsetzt. Dieses hier hat uns jedoch überzeugt: Seit über einem Jahr setzen wir bei der Rheinischen Post (www.rp-online.de) das Liveblog-System von Sourcefabric ein.

Sourcefabric an sich ist schon etwas besonderes: Das international aufgestellte Team ist keine Softwarefirma im klassischen Sinne, sondern eine Non-Profit-Organisation, die sich der Förderung der freien Meinungsäußerung verschrieben hat und diese mit der Entwicklung freier Software unterstützen will. Das allein macht das Team sympathisch, denn man nimmt ihnen dieses Anliegen („Open Source means Free Speech“) durchaus ab.

Die Einführung eines Liveblogs war bei uns mehr als überfällig: Wir suchten ein Format irgendwo zwischen dem hektischen Liveticker, der beispielsweise bei Sportevents sicher richtig eingesetzt ist, aber Redaktion und Leser durch die hohe Frequenz der Postings einiges abverlangt und darüber hinaus nicht geeignet ist, etwa auch Hintergründiges zu beinhalten, und dem „normalen“, mitunter eben häufig aktualisierten Artikel im regulären Online-Portal.

Buntes Gesamtbild eines Ereignisses

Das Liveblog-Format erlaubt uns, in beliebig hoch- oder niedrigfrequenter Folge kleine Posts abzusetzen, die sich in der Gesamtschau dann zu einem chronologischen Abbild des Geschehens zusammenfügen. Diese Posts können von einem, aber genauso gut von beliebig vielen verschiedenen Autoren stammen. Die sind im Liveblog erkennbar: Mit Autorenzeile über jedem Post und einem Autorenbild. Hinzu kommt, dass jedes Liveblog mit Inhalten aus dem Social Web, mit Suchergebnissen aus Suchmaschinen wie Google, mit Videos aus Youtube oder Fotos aus den einschlägigen Bilderdiensten angereichert werden kann. So entsteht ein teils selbst verfasstes, teils kuratiertes, in jedem Fall buntes Bild des Ereignisses.

Wir setzen das Liveblog gern und häufig ein. Von ganz kurz – beispielsweise um die 30-Minuten-Pressekonferenz eines unserer „Hausvereine“ vor einem wichtigen Fußballspiel zu schildern und mit Tweets und Facebook-Posts von Beteiligten zu schmücken – bis sehr lang: Über sieben Wochen haben wir den „Prinzenkanal“ gepflegt, in dem ein Reporter unseres Hauses das Düsseldorfer Karnevals-Prinzenpaar auf Schritt und Tritt begleitet hat. Das Blog ist mehrere hundert Einträge lang und strotzt vor Fotos und Social Media-Posts.

Übersichtliches Drei-Spalten-System

Das Liveblog-System macht das alles mit. Und zwar auf relativ komfortable Art und Weise: Das User Interface ist aufgeräumt und mit seinem dreispaltigen Aufbau nahezu selbsterklärend. Ganz links stehen die verschiedenen Kanäle zur Verfügung, aus denen Inhalte gezogen werden können: Google, Youtube, Twitter, Facebook (jedenfalls alles, was dort „öffentlich“ ist), Instagram, Flickr, Soundcloud, sogar SMS – vor allem aber ein Kanal für die Beiträge der eigenen Mitarbeiter. Jeder, der einen Zugang hat, kann in das Liveblog schreiben. Basis-Formatierungsoptionen für den Text stehen dabei ebenso zur Verfügung wie die Möglichkeit, eigene Bilder hochzuladen und die zu betexten. Manko 1: Videos gehen nicht – man muss den Umweg über Youtube wählen.

Ausschnitt aus dem Prinzen-Kanal von RP ONLINE (Foto: Screenshot)

Ausschnitt aus dem Prinzen-Kanal von RP ONLINE (Foto: Screenshot)

Die Beiträge, die die Kollegen schreiben, landen aber nicht direkt live im Blog, sondern zunächst in der zweiten Spalte, einer Art Schreibtisch. Der betreuende Redakteur hat dann die Möglichkeit, sich auszusuchen, welche Beiträge er zu den Lesern durchstellen will. Das macht er per Drag & Drop in die dritte Spalte des Interface, den Live-Bereich. Hier kann er jederzeit  den Beitrag verändern, korrigieren oder ergänzen oder ihn natürlich auch wieder löschen. Manko 2: Das alles, bis aufs Löschen, geht komischerweise in der Schreibtisch-Spalte nicht. Die wäre aber eigentlich der richtige Ort für solche Bearbeitungen, die ja idealerweise vor dem Veröffentlichen geschehen sollten.

Das Backend von LiveBlog (Foto: Screenshot)

Das Backend von LiveBlog (Foto: Screenshot)

Insgesamt geschieht das alles in der Regel sehr flüssig, lediglich bei Lastspitzen (vor allem auf der Input-Seite, wenn also viele Kollegen gleichzeitig Beiträge posten) kommt es zu Verzögerungen, bis die Beiträge auf dem „Schreibtisch“ sichtbar werden. Manchmal loggt das System auch den Bearbeiter kurzerhand aus. Das ist besonders im „heißen“ Livebetrieb dann ein bisschen ärgerlich – trotzdem aber bleibt das System stabil. Uns ist bisher kein Beitrag verloren gegangen, der zuvor ordnungsgemäß gepostet worden war.

Ärgernis Chronologie und schlimme User-Verwaltung

Es gibt aber eine Einschränkung, die eigentlich kein Bug ist, sondern eine Frage der Liveblog-Philosphie von Sourcefabric. Die Entwickler wollen mit dem Liveblog ein chronologisches Bild des Geschehens zeichnen. Deshalb lässt sich die Reihenfolge der Beiträge, wenn sie einmal live gestellt sind, nicht mehr verändern. Das ist in der täglichen redaktionellen Arbeit mit dem Tool ein echtes Ärgernis. Vor allem, weil es bei der Einlieferung der einzelnen Posts zu Verzögerungen kommen kann (der Mitarbeiter draußen kommt in dem Augenblick nicht dazu, den Post abzusetzen, die Mobilverbindung reißt ab, der Akku ist leer…) und man den verspätet angelieferten Beitrag dann nicht mehr an die richtige Stelle im Blog schieben kann. Meistens verzichtet man dann eher auf ein gutes Bild oder einen witzigen Beitrag, weil er an der Stelle, an der er dann erscheinen würde, keinen Sinn mehr ergibt.

Und wo wir beim Tadel sind: Die Userverwaltung des Liveblog-Systems ist unterirdisch. Wir sind dazu übergegangen, alle User grundsätzlich nur mit Admin-Rechten anzulegen, weil es sonst durchaus passieren kann, dass Beiträge der Kollegen draußen dem Blogbetreuer gar nicht angezeigt werden und er sie deshalb auch gar nicht durchstellen kann. Und: Im User-Verzeichnis selbst gibt es zwar die Möglichkeiten, die User nach Vor-, Nach- oder Usernamen zu sortieren oder in einer Volltextsuche nach ihnen zu suchen. Beide jedoch funktionieren schlicht nicht. Wer einen User sucht, der lässt sich am besten möglichst viele auf einem Screen anzeigen und sucht dann mit der Browser-Suche. Bei weit über 100 angelegten Usern wie in unserer Liveblog-Instanz ist das ein Ärgernis.

Eigene iOS-App

Hier kommen aber noch zwei Gründe, die uns dazu bewogen haben, trotz der Mankos das Tool von Sourcefabric zu nehmen: Es gibt eine iOS-App, die auf iPhone und iPad läuft und mit der die Kollegen vor Ort direkt ins System und ins richtige Liveblog posten können. Bisher nur auf den Schreibtisch – in der nächsten Version der App können entsprechend freigeschaltete Nutzer auch direkt live posten. Das hat sich in der täglichen Arbeit als sehr komfortabel herausgestellt.

Und der zweite Grund: Der Support und die Weiterentwicklung durch Sourcefabric ist sehr gut. Die Kollegen reagieren auf Anfragen relativ schnell, Fehler werden beseitigt und neue Feature-Requests (in unserem Fall beispielsweise SEO-Anforderungen oder Anpassungen im Theme) im Rahmen der Möglichkeiten einer kleinen Organisation zügig bearbeitet.

Alles in allem ziehen wir also ein durchaus positives Fazit – mit wenigen negativen Einsprengseln. Wir empfehlen das Liveblog-System von Sourcefabric trotzdem gerne weiter.

Update (30. September 2015): RP ONLINE setzt inzwischen Tickaroo als Live-Blog-Lösung ein. Oliver Havlat hat zudem RP ONLINE zum 30. September 2015 verlassen.

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Bei meiner Recherche zum Thema LiveBlogging bin ich auf Kassel-Live.de von der Hessische/Niedersächsische Allgemeine (seit 2002 Teil der Ippen-Gruppe) aufmerksam geworden. Im Interview hat mir Jens Nähler, Ressortleiter HNA Online, das Konzept und die Technik hinter Kassel-Live erläutert.

Was genau ist Kassel-Live?

Die Website informiert in Kurzform über Ereignisse in Kassel. Inzwischen verzeichnet sie rund 20.000 Seitenaufrufe pro Tag – ohne Tricks wie Bilderstrecken. Das ist vergleichbar mit der Reichweite ganzer HNA-Lokalressorts mit eigenen Redaktionen. Kassel-live, das inzwischen mit dem Blogsystem WordPress läuft, setzt auf  einen Themenmix aus Nachrichten, Service und Unterhaltung in der (Kurz-)Form eines Tickers oder Newsfeeds. Es ist optimiert für den schnellen Zugriff von unterwegs.

Startseite von Kassel-Live (Foto: Screenshot)

Startseite von Kassel-Live (Foto: Screenshot)

Woher kommen die Inhalte für Kassel-Live?

Täglich ist in zwei Schichten morgens und abends je ein Volontär oder freier Mitarbeiter mit Smartphone oder Tablet draußen, um Geschichten zu finden – und direkt von unterwegs zu veröffentlichen. Alle HNA-Redakteure, die thematisch mit Kassel-Themen beschäftigt sind, schreiben im Idealfall zuerst eine Meldung auf Kassel-Live, bevor sie auf unserem Nachrichtenportal HNA.de eine Langfassung veröffentlichen.  In unserer Redaktion hat jeden Tag ein Kollege „Kassel-Live-Dienst“. Er behält die sozialen Netzwerke, in erster Linie Twitter, Instagram und Facebook, im Blick. Vierte Quelle sind unsere Leser, die jeden Tag mehrere Beiträge über ein Formular schicken. Das sind oft Schmuckbilder, aber auch Verkehrs- oder Blaulichtmeldungen. Alle Leserbeiträge werden vor der Veröffentlichung geprüft. Außerdem kooperieren wir mit einer Facebookseite, die sich auf lokale Blitzermeldungen spezialisiert hat..

Wie schnell ist Kassel-Live?

Dazu gibt es eine schöne Anekdote, die unser Chefredakteur gerne erzählt: Er erlebte einen Unfall mit, fuhr rechts ran und wollte schnell ein Foto für Kassel-Live veröffentlichen. Aber ein Leser – der den Unfall aus seinem Fenster beobachtet hatte – war schneller. Das ist natürlich der Ideal- und nicht der Regelfall. Aber wir werden immer schneller…

Reden wir mal über die Technik: Welche Tools setzt Ihr ein?

Kassel-Live hat auf Tumblr angefangen, weil wir binnen weniger Tage eine Website einrichten und unser IVW-Pixel einbauen konnten. Die Oberfläche und vor allem die Apps sind besonders einfach zu bedienen.

Nach sechs Monaten sind wir auf WordPress umgestiegen, weil es uns mehr Möglichkeiten bietet. Wir haben alle Redakteure für die Nutzung der WordPress-App sowie des WordPress-Backends geschult. So mancher hat dabei erstmals mit einem Smartphone wirklich mobil gearbeitet statt nur zu telefonieren.

Für die Überwachung von Twitter nutzen wir Tweetdeck, für Facebook haben wir uns eine Liste angelegt und mit iconosquare.com haben wir Instagram anhand von Schlagworten im Blick.

Die interne Kommunikation der Onliner läuft inzwischen über das Chat-Tool Slack, das wir auch für den Austausch mit anderen Abteilungen nutzen. Wir setzen auch Trello fürs persönliche Projektmanagement ein, aber das hat sich nicht bei jedem durchgesetzt.

Wie geht’s weiter mit Kassel Live?

Derzeit entwickeln wir eine App für Kassel-Live, die im März starten soll. Dann können wir unsere Leser per Push-Nachricht informieren und sie können die Inhalte zum Beispiel nach Stadtteilen als Favoriten filtern.

Sie möchten auch eine Website mit WordPress starten? Dann finden Sie im Themen-Schwerpunkt Bloggen Beiträge von Installation und Konfiguration von WordPress sowie nützliche Plugins um die Funktionen Ihrer Website zu erweitern. Darüber hinaus Tipps, was Sie für eine erfolgreiche Website beachten sollten.

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Yannick Dillinger (Foto: Michael Scheyer)

Yannick Dillinger (Foto: Michael Scheyer)

Gastautor Yannick Dillinger (Jahrgang 1983) ist seit 2014 Leiter der Digitalredaktion bei der Schwäbischen Zeitung. In dieser Funktion ist er für die Qualitätssicherung und Weiterentwicklung der digitalen Produkte des Hauses verantwortlich. Er ist spezialisiert auf Social Media und Storytelling. Von 2012 bis 2014 war Dillinger Redakteur für Online & Social Media bei der Schwäbischen, davor drei Jahre lang Lokalredakteur. Er twittert als @ydillinger und bloggt unter www.yannickdillinger.de.

Storify, Word-Press oder doch ScribbleLive? Rund anderthalb Jahre ist es her, dass wir bei Schwäbische.de nicht mehr und nicht weniger gesucht haben als die eierlegende Wollmilchsau unter den Liveblogging-Tools. Die Suche war lang, doch sie hat sich gelohnt. Wir haben mit ScribbleLive ein zugegebenermaßen nicht ganz günstiges, dafür aber auch wirklich hilfreiches Werkzeug gefunden, das unseren Ansprüchen fast vollumfänglich entspricht.

Unsere Idealvorstellung sah und sieht in etwa so aus: Mehrere Redakteure erzählen gleichzeitig eine Geschichte. In Echtzeit. Gerne mittels einer App – iOS und Android. Mit Textfragmenten, Fotos, Videos, Umfragen und Sprachschnipseln. Auch mit Inhalten, die sie vorbereitet und den Kollegen in der Redaktion hinterlassen haben. Diese reichern den Blog an mit Tweets, Instagram-Fotos, YouTube-Videos und User-Kommentaren. Der Leser sieht zu jeder Zeit, welcher Journalist am Ticker mitwirkt. Die Geschichte erscheint in unserem Umfeld – auf der stationären Webseite, in den Apps und auf der mobilen Webseite. Sie sieht überall gut aus. Und ganz wichtig: All unsere Redakteure können das Tool nach einer kurzen Schulung bedienen.

Eingabe-Maske für Redakteure im ScribbleLive-Backend (Foto: Screenshot)

Eingabe-Maske für Redakteure im ScribbleLive-Backend (Foto: Screenshot)

Diese Anforderungen erfüllt ScribbleLive. Und unserer Meinung nach nur ScribbleLive. Die Bedienung des Tools ist einfach, der Support in Notfällen zuverlässig, die Darstellungsform so wie wir uns das gewünscht haben. Noch werden die Blogs nicht in unseren Apps angezeigt. Doch diesen Makel beseitigen unsere Entwickler in diesen Tagen. Auch sind noch nicht alle Redakteure in Mobile Reporting geschult. Workshops stehen allerdings kurz bevor. Der Ball liegt in unserem Feld.

LiveBlog zu einem Prozess in Ravensburg (Foto: Screenshot)

LiveBlog zu einem Prozess in Ravensburg (Foto: Screenshot)

Wir sammeln in Sachen Liveblogging noch immer Erfahrungen und schauen, was zielführend ist und was wir lieber sein lassen sollten. Bei unseren bisherigen Testläufen haben wir festgestellt, dass Liveblogs auf Schwäbische.de vor allem dann funktionieren, wenn Folgendes gewährleistet ist:

  • eine gute Themenauswahl (klar regional ausgerichtet)
  • eine gute Vorbereitung
  • eine sinnvolle und abwechslungsreiche Bestückung
  • eine Integration von Leser-Reaktionen
ScribbleLive: alle LiveBlogs in der Übersicht (Foto: Screenshot)

ScribbleLive: alle LiveBlogs in der Übersicht (Foto: Screenshot)

Gut gelaufen sind zum Beispiel die Blogs von einem aufsehenerregenden Prozess in Ravensburg und vom Kampf der Nendinger Ringer um die Deutsche Meisterschaft. Überregionale Leuchtturmprojekte lassen wir bleiben. Wir setzen klar auf unsere regionale Kompetenz. Die zahlreichen Leser-Reaktionen bei eben aufgezählten Beispielen geben uns dahingehend recht.

Aktuell sind wir an der detaillierten Jahresplanung 2015. Schon jetzt haben wir viele Ideen für weitere Liveblogs. Stadtfeste, Festivals, Sport-Veranstaltungen: Potenzielle Einsatzmöglichkeiten für ScribbleLive sind bereits identifiziert.
Zunehmend werden auch die Lokalkollegen mit dem Tool arbeiten. Sie sind besonders nah an den regional wertvollen Themen dran. Und das ist wichtig. Denn eines ist klar: Der Liveblog kann noch so schön aussehen, das Tool noch so viel können: Was zählt, sind gute Inhalte.

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dpa-Whitepaper LiveBlogging

dpa-Whitepaper LiveBlogging

Perfekter hätte das Timing kaum sein können: Heute morgen habe ich Sie, lieber User, um Ihre Erfahrungen mit LiveBlogging-Tools wie ScribbleLive und Liveblog gebeten. Wenige Stunden später veröffentlicht die dpa ihr erstes Whitepaper zum Thema „Live Blogging“. Darin schildern die Kollegen Joachim Dreykkluft (Online-Chefredakteur der shz),  Roland Schmitt-Rasier (Ressortleiter der Main-Post) und Horst Seidenfaden (Chefredakteur HNA) von ihren Erfahrungen mit LiveBlogs. Die dpa hat darüber hinaus ihren Produktmanager dpa Live, Süleyman Artiisik, zu Wort kommen lassen, da sie unter dem Namen dpa Live ein eigenes Tool mit Inhalten der Korrespondenten anbietet.

Das 16-seitige Whitepaper gibt es zum kostenfreien Download auf der dpa-Internet-Seite, allerdings müssen Interessenten ihre Kontaktdaten und Ihre „Download-Motivation“ angeben. Man kann davon ausgehen, dass der dpa-Vertrieb danach anruft, um die eigenen Produkte anzupreisen. :-)