Beiträge

Johanna Daher (Foto: Marieke Polnik)

Johanna Daher (Foto: Marieke Polnik)

Johanna Daher (@JohannaDaher) studiert derzeit den Master „Medien- und Spielekonzeption“ an der Hochschule Harz in Wernigerode. Nebenbei arbeitet sie seit Februar 2018 als freie Mitarbeiterin in der Online-Redaktion des MDR SACHSEN-ANHALT. Ihr Volontariat absoliverte die heute 25-Jährige bei der „Hessisch-Niedersächsischen Allgemeinen“ (HNA). In ihrer Masterarbeit entwickelt sie in Kooperation mit der HNA ein eigenes Newsgame.

Weiterlesen

© blvdone – Fotolia.com

© blvdone – Fotolia.com

Wie viele Menschen passen eigentlich auf die „Domplatte“ in Köln? Sind Teilnehmerzahlen von Demonstrationen oder Besucherzahlen von Straßenfesten plausibel? Eine Antwort geben kann das Tool „Map Checking“: Es berechnet, wie viele Menschen auf eine freie Fläche passen und ist nützlich für Journalisten, um Zahlen von Veranstaltungen unter freiem Himmel zu prüfen.

Weiterlesen

Drohnen – oder auch Copter genannt – eröffnen eine ganz neue Perspektive auf Bauprojekte, Städte oder auf Personen, die man porträtieren möchte. Welche Drohne macht für Journalisten Sinn und was gilt es zu beachten? Das und viele Tipps aus der Praxis haben Max Ruppert und Fabian Werba in einem eintägigen Workshop erklärt. Ich war dabei.

Welche Drohne eignet sich für Journalisten?

„Gute Drohnen kann man inzwischen fertig kaufen“, sagt Fabian Werba, der vor allem in Berlin und Brandenburg die Welt von oben filmt und fotografiert. Aus eigener Erfahrung empfiehlt er für Journalisten kleine vollautomatische Quadkopter wie die die Phantom 4 von DJI (Amazon.de: 1599 Euro) . Die weiße Drohne ist ungefähr 30×30 Zentimeter groß, wiegt 2 Kilo und kann rund 20 Minuten mit einem Akku fliegen. Unter dem vier Propellern hängt eine kleine Digital-Kamera, die 12 Megapixel-Bilder schießt oder HD-Videos filmt. Servo-Motoren halten die Kamera stets waagerecht. Die Bild-Qualität ist mit dem Smartphone vergleichbar: Bei guten Lichtverhältnissen gelingen sehr gute Aufnahmen, aber bei Dunkelheit ist das Bild verrauscht. Wer bessere Bilder haben möchte, muss deutlich tiefer in die Tasche greifen: Fertige Drohnen, die eine Spiegelreflex-Kamera tragen können, kosten locker 20.000 Euro.

„Gesteuert wird die Phantom 4 mit einer Fernbedingung, auf der man ein Smartphone oder ein Tablet“ befestigen kann. So sieht man jederzeit, was die Drohne sieht und hat Akku-Restlaufzeit, Flughöhe und GPS-Position im Blick. Dank GPS hält die Drohne auch bei Wind ihre Position und macht das Fliegen so sehr einfach. „Weil das GPS-Signal auch ausfallen kann, sollte man diesen Automatik-Modus zu Übungszwecken abschalten. Sonst wird es brenzlig, wenn aufgrund einer dicken Wolke das Satelliten-Signal abbricht“, empfiehlt Werba, der unter anderem für Tatort oder Polizeiruf seine große Drohne steigen lässt.

Mit 1500 Euro ist die Phantom 4 kein Schnäppchen, zumal man direkt ein oder mehrere Zusatzakkus kaufen sollte. Das Vorgänger-Modell Phantom 3 kostet rund 1000 Euro. Die Fachzeitschrift c’t hat die Phantom 4 ausführlich getestet.

Vor dem Start

Wer die Drohne rein privat steigen lässt, sollte vor dem ersten Start mit seiner Haftpflichtversicherung klären, ob sie für eventuelle Schäden aufkommt – oder ob eine eigene Versicherung notwendig ist. Weil Journalisten schnell in den Verdacht geraten, gewerblich unterwegs zu sein, sollten diese eine Aufstiegsgenehmigung beantragen. „Die gibt es bei den jeweiligen Landesbehörden für 150 bis 250 Euro und sie gilt zunächst für ein Jahr, später für zwei Jahre“, erklärt der gelernte Mediengestalter Fabian Werba.

Das Bundesverkehrsministerium hat in einer Broschüre detailliert aufgeschrieben, was gewerbliche Drohnen-Piloten beachten müssen. Neben der Aufstiegsgenehmigung müssen Journalisten eine Versicherung abschließen, ihre Piloteneignung nachweisen und müssen vor jeden Flug die örtlichen Behörden informieren. Ferner benötigen sie eine Erlaubnis vom Eigentümer des ausgewählten Startplatzes. In den Stadtstaaten Hamburg, Bremen und Berlin sowie in Baden-Württemberg muss jeder einzelne Flug genehmigt werden. In den anderen deutschen Bundesländern gilt die Aufstiegsgenehmigung für ein oder zwei Jahre.

Egal ob beruflich oder privat, dürfen Drohnen-Piloten nicht höher als 100 Meter fliegen und müssen stets Sichtkontakt zu ihrer Drohne haben. „Technisch wäre es möglich, die Drohne mit dem Video-Bild zu steuern“, sagt Fabian Werba. Verboten sind Drohnen-Flüge in der Nähe von Flughäfen, in Sicherheitsbereichen (Reichtstag, Ministerien, Atomkraftwerke, Gefängnisse) sowie über Menschenansammlungen oder Polizeieinsätzen. „Das schränkt die Möglichkeiten für Journalisten ein. Bei fast jeder Demo ist auch die Polizei im Einsatz“, sagt Max Ruppert. Da vor jedem Flug die Stadt informiert werden muss, ist die Drohne nichts für spontane Einsätze.

Was können Journalisten mit einer Drohne machen

Max Ruppert fallen trotzdem viele Geschichten ein, die man mit einer Drohne anders oder besser erzählen kann. „Nur ein Bild von oben zu machen reicht aber nicht.“ Stattdessen können Redaktionen zum Beispiel größere Bauprojekte aus der Luft zeigen oder die eigene Stadt aus einer ganz neuen Perspektive zeigen. „Letzteres war bisher nur mit einem Hubschauer möglich. Die kosten aber rund 2000 Euro pro Stunde und dürfen nicht so niedrig fliegen wie eine Drohne“, sagt Ruppert. Journalisten sollten aus seiner Sicht nicht nur an Bilder denken: Eine Drohne könne auch ein Messgerät tragen, um so die Feinstaubbelastung oder die Luft nach einem großen Brand zu messen. Auch bei einem Interview kann eine Drohne zum Einsatz kommen: Drohnen wie die Phantom 4 können automatisch hinter einer Person herfliegen, die gerade interviewt wird. Über ein Ansteck-Mikrofon wird dabei der Ton aufgenommen.

Diese 5-Kilo-Drohne kann eine Spiegelreflex-Kamera tragen (Foto: Sebastian Brinkmann)

Diese 5-Kilo-Drohne kann eine Spiegelreflex-Kamera tragen (Foto: Sebastian Brinkmann)

Aus Erfahrung weiß Drohnen-Pilot Fabian Werba, dass viele Bürger auf Drohnen-Einsätze ängstlich  reagieren: „Die Leute hören das surrende Ding am Himmel und fühlen sich plötzlich beobachtet.“ Deshalb empfiehlt er, die Leute vorher zu informieren und zu erklären, was man filmen möchte. Erfahrungsgemäß sind dann viele Interessiert und wollen mehr über die Technik erfahren. Selbstverständlich gilt auch für Drohnen-Piloten, dass sie die Persönlichkeitsrechte waren müssen. Unbeteiligte Personen dürfen entsprechend nur aus einer gewissen Distanz gezeigt werden. Und wenn ein Grundstück von der Straße aus nicht einsehbar ist, darf es auch nicht von oben gezeigt werden.

Das Bundesverkehrsministerium arbeitet derzeit an einer Neu-Regelung, die unter anderem vorsieht, dass gewerbliche Drohnen-Piloten nicht mehr auf Sicht fliegen müssen und einen Führerschein machen müssen. „Letztlich dient das der Sicherheit der Bürger, denn so eine 2 oder gar 5 Kilo schwere Drohne kann erhebliche Schäden anrichten“, sagt Drohnen-Pilot Fabian Werba. Was noch fehlt sind klare Regelungen für Presse-Drohnen: „So wäre es ja denkbar, dass eine Presse-Drohne auch bei Feuerwehr- oder Polizei-Einsätzen aufsteigen darf und im Gegenzug zum Beispiel mittels Transponder auf dem Radar der Feuerwehr- oder Polizei-Hubschrauber zu sehen ist“, sagt Werba.

Max Ruppert und Fabian Werba betreiben zusammen das Blog Volledrohnung.de und geben Seminare zum Thema Drohnen-Journalismus. Das Seminar am vergangenen Samstag fand im Journalisten-Zentrum Haus Busch in Hagen statt. Eine Wiederholung im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Blogger Samstag“ im Frühjahr 2017 ist denkbar, wenn genug Interessenten sich melden.

Die Links zum Amazon-Shop sind so genannte Partner-Shop-Links. Journalisten-Tools erhält einen kleinen Teil des Kaufpreises als Provision.

Update (15. Mai 2016): Ich habe einen Link zu einem ausführlichen Test der Phantom 4 in der c’t ergänzt.

[wysija_form id=“4″]

© Antonioguillem - Fotolia.com

© Antonioguillem – Fotolia.com

Redaktionen, die WhatsApp bespielen wollten, mussten sich früher ein Smartphone an den Desk legen und jeden Abonnenten von Hand einpflegen. Das ist zum Glück vorbei, denn Anbieter wie WhatsBroadcast bieten eine Web-Oberfläche, für Versand und Abonnenten-Pflege. Das schafft neue Möglichkeiten in den Redaktionen, wie die Beispiele Augsburger Allgemeine und Tierischer Volksfreund zeigen.

Was kosten WhatsApp-Dienste?

Bekanntester Spieler auf dem Markt ist sicherlich WhatsBroadcast, in dem die Anbieter WhatsService und InstaNews aufgegangen sind, nachdem es im vergangenen November massive Probleme gab.

Der kleinste Tarif bei WhatsBroadcast erlaubt den Versand an bis zu 500 Abonnenten und kostet 49 Euro im Monat. Die Nachrichten werden innerhalb von 30 Minuten zugestellt. Jeder weitere Abonnenten kostet 9 Cent. Wer 299 Euro im Monat zahlt, kann bis zu 3000 Abonnenten innerhalb von 15 Minuten anschreiben und zahlt für jeden weiteren Abonnenten 4 Cent. Wer mehr als 3000 Abonnenten hat, erfährt seinen Preis auf Anfrage. Der Vertrag ist monatlich kündbar und das Angebot lässt sich 14 Tage lang testen, verspricht die Firma mit Sitz in Augsburg.

 

Sind WhatsApp-Dienste erlaubt?

Genau genommen verbietet WhatsApp eine kommerzielle Nutzung seiner Plattform, weshalb Redaktionen sich in einer Grauzone bewegen. Entscheidend ist, dass die User sich von den Nachrichten nicht gestört fühlen und bei WhatsApp einen Missbrauch melden. Interessant ist dabei, dass mir WhatsBroadcast auch auf Nachfrage nicht erläutern wollte, wie der Versand der Nachrichten genau funktioniert. Ich kann nur spekulieren, dass WhatsBroadcast einen Weg gefunden hat, die App von WhatsApp auf Handys fernzusteuern, um so gegenüber der Facebook-Tochter als Nutzer zu erscheinen.

Wie nutzen Redaktionen WhatsApp?

Die Augsburger Allgemeine hat sich für den klassischen Weg entschieden: Sascha Borowski und sein Team verschicken Eilmeldungen direkt aus ihrem CMS per WhatsApp, aber auch direkt per Twitter und Push-Nachricht in die eigene App. „Wir können WhatsBroadcast über eine Schnittstelle direkt aus unserem CMS ansprechen, was die Arbeit der Redaktion deutlich vereinfacht“, sagt Borowski. Problematisch findet er, dass es bis zu 20 Minuten dauert, bis die Nachrichten beim Empfänger erscheinen. „Das ist bei zum Beispiel bei Stau-Hinweisen viel zu langsam.“

Einen anderen Weg hat der Trierische Volksfreund beschritten:  Neben einem Nachrichten-Kanal wie in Augsburg informiert die Redaktion ihre Leser über aktuelle Geschwindigkeitsblitzer in der Region. Die Zahlen sind beeindruckend: Knapp 9000 Leser haben den Dienst inzwischen abonniert und pro Tag erreichen die Redaktion rund 150 bis 200 Blitzer-Meldungen, die schnellstmöglich an die User weitergeleitet werden. „Wir haben dafür ein eigenes Backend programmiert, um die einlaufenden Blitzer-Meldungen mit Geo-Daten versehen zu können“, erklärt Thomas Zeller, Leiter Crossmedia in Trier. Ein Mitarbeiter bearbeitet jede einlaufende Meldung. Dazu kommen Blitzer-Meldungen aus den Rathäusern. „Wir verschicken 12 bis 14 Meldungen pro Tag. Das ist deutlich mehr als andere, aber unsere Leser sind zufrieden und beklagen sich nicht“, sagt Zeller.

© S. Engels - Fotolia.com

© S. Engels – Fotolia.com

In Trier hat man derweil mit zwei Problemen zu kämpfen: Der Zeitversatz beim Empfang – was gerade bei Blitzer-Meldungen problematisch ist – und dem Phänomen, dass einige Abonnenten plötzlich keine Nachrichten mehr empfangen. „Von heut auf morgen bekommen sie keine einzige unserer Nachrichten mehr. Da hilft nur Abmelden und erneut anmelden von unserem Blitzer-Dienst“, empfiehlt Zeller.

Wie nutzen Sie WhatsApp in der Redaktion und wie sind Ihre Erfahrungen? Schreiben Sie einen Kommentar zu diesem Beitrag.

Hinweis: Thomas Zeller ist Mitarbeiter des Trierischen Volksfreunds, an dem die Rheinische Post Mediengruppe mehrheitlich beteiligt ist. Sebastian Brinkmann, Betreiber von Journalisten-Tools.de und Autor dieses Beitrages, ist hauptberuflich Director Publishing Services bei der Mediengruppe Rheinische Post.

Update (25. Mai 2017): WhatsPro hat offenbar seine Pforten geschlossen, denn die Website ist nicht mehr erreichbar und der Facebook-Auftritt wurde gelöscht. Ich habe den Anbieter entsprechend aus diesem Beitrag entfernt, so dass es jetzt hier nur noch um WhatsBroadcast geht.

[wysija_form id=“4″]

 

© Antonioguillem – Fotolia.com

© Antonioguillem – Fotolia.com

Lorenz Matzat (@datenjournalist) von Datenjournalist.de ist sich sicher: „2016 wird das vorerst beste Jahr für Datenjournalismus in Deutschland werden. Diese Prognose kann ich mit gutem Gewissen abgeben.“ In seinem Rückblick auf 2015 zieht Matzat Bilanz und nennt die besten Datenjournalismus-Veröffenlichungen. Anders als bei Investigativ-Journalisten tauschen sich die Datenjournalisten fleißig untereinander aus.

Mein Lese-Tipp: „Datenjournalismus 2015: Ein Rückblick

Noch ein Hinweis: Im Interview mit Journalisten-Tools.de hat Christina Elmer (Daten-Journalistin bei Spiegel-online) Tipps für den Einstieg in den Daten-Journalismus gegeben.

[wysija_form id=“4″]

 

 

Sonja Kaute

Sonja Kaute

Sonja Kaute, die in ihrem Blog „Stift & Blog“ immer wieder Journalisten-Tools vorstellt, hat für Torial.com die Infografik-Tools Canva, Visme  und Piktochart getestet. Ihr Fazit: „Canva ist nur sinnvoll bei Infografiken ohne multimediale, animierte oder verlinkte Elemente. Visme kann dagegen auch Videos und mehr und bei Piktochart kann man sogar im Tool selbst Grafiken erstellen, wenn man genaue Zahlen visualisieren möchte.“

Mein Lese-Tipp: „Kostenlose Infografik-Tools: Canva, Visme und Piktochart im Test

Christina Elmer (Foto: Saima Altunkaya / Spiegel-online)

Christina Elmer (Foto: Saima Altunkaya / Spiegel-online)

Christina Elmer (@ChElm) ist Daten-Journalistin bei Spiegel-Online. Im Interview erzählt sie uns, wie der Einstieg in den Daten-Journalismus klappt und warum eine gute Daten-Geschichte auch auf Excel basieren kann. Die 32-Jährige hat beim WDR volontiert und ist über Stationen bei dpa und Stern in die Redaktion von Spiegel-Online gekommen.

Wie reagieren die Menschen, wenn Du sagst, dass Du Daten-Journalistin bist?

Für viele ist das am Anfang sehr abstrakt und sehr nerdig. Sie glauben, dass wir viel mit Daten arbeiten, aber das das wenig mit der Geschichte zu tun hat. Ich erkläre dann gerne, dass Daten-Journalismus auch bedeuten kann, Statistiken nach Geschichten zu durchsuchen und dann in einem Text aufzuschreiben.

Ist Daten-Journalismus wirklich so einfach?

Letztlich ist es eine Frage der Ressourcen: Wenn ich nach einer Wahl allein die Zahlen untersuche, dann kommt am Ende häufig ein Text mit ein oder zwei Grafiken raus. Wenn wir mit Programmierern zusammen arbeiten, dann kostet das natürlich Zeit – aber es kommt eine aufwändigere Darstellung mit selbst programmierten Charts heraus.

Wie kommt Daten-Journalismus bei den Lesern an?

Da mache ich eine ganz interessante Beobachtung: Unter vielen Artikel kritisieren die Leser die Journalisten für ihre Arbeit. Unter Daten-Geschichten beschäftigen sie sich dagegen viel stärker mit der Geschichte und den Fakten. Vielleicht deshalb, weil wir unsere Arbeit sehr transparent erklären: Welche Daten haben wir analysiert und wie sind wir zu den Ergebnissen gekommen? Wir bieten auch – wenn immer möglich – die Original-Daten zum Download an. Die lädt zwar kaum einer runter, aber es hilft offenbar, uns zu vertrauen.

Wir bemerken auch, dass sich unsere Leser intensiv mit den Geschichten und den eingebauten Grafiken beschäftigen. Das liegt vermutlich auch daran, dass die Leser mit interaktiven Grafiken die Daten für ihren Wohnort oder ihre Altersgruppe mit anderen Zahlen vergleichen können. So werden Geschichten viel individueller.

Was empfiehlst Du Einsteigern?

Wer noch nie programmiert hat, sollten drei Dinge tun:

  1. Sich mit einfachen Tool beschäftigen, um kleinere und mittlere Tabellen zu erstellen und auszuwerten. Dazu reichen Excel oder das kostenfreie OpenOffice.
  2. Sie sollten Tools ausprobieren, um Diagramme zu erstellen. Google Docs kann das, ansonsten Datawrapper oder High Charts.
  3. Sie sollten sich mit Werkzeugen vertraut machen, um interaktive Karten zu erstellen. MapBox ist ein gutes Tool, alternativ CartoDB oder Google Fusion Tables. Karten sind für viele Geschichten eine gute Darstellungsform.

Wer tiefer einsteigen möchte, sollte eine Programmiersprache wie R oder Python lernen. Ich selbst kann übrigens nicht programmieren, kann aber den Code immerhin einigermaßen lesen.

Ich höre daraus, dass für eine aufwändige Daten-Geschichte Journalisten und Programmierer zusammen arbeiten müssen?

Absolut! Und das erfordert am Anfang auch, dass man die Arbeit des jeweils anderen versteht: Wann braucht der Entwickler mein Feedback? Wie und wann kann ich ihm Verbesserungswünsche schicken? Programmierer wiederum wissen oft gar nicht, wie wir recherchieren und schreiben. Wenn beide Seiten ihr Können zusammenbringen, entstehen wunderbare Stories.

Wie findest Du Ansätze für Daten-Geschichten?

Wie so oft beim Journalismus gibt es verschiedene Ansätze: Manchmal geben uns die Kollegen Tipps oder zeigen uns eine Geschichte aus den USA, die wir auf Deutschland übertragen können. Oder wir entdecken eine Schnittstelle (API), über die man Daten abfragen kann und spielen damit mal rum. Auch das Informationsfreiheitsgesetz hilft uns, weil dadurch Datensätze veröffentlicht werden, die wir dann untersuchen können.

Letztlich gibt es zwei Wege: Man fängt mit einer These an und versucht, diese mit Zahlen zu untermauern oder zu widerlegen. Oder man schaut sich Datensätze an und findet darin Geschichten.

Welche Internet-Seiten oder Twitter-Accounts empfiehlst für für Leser, die tiefer in das Thema einsteigen wollen?

Ich beobachte sehr gerne, was die Berliner Morgenpost macht oder OpenDataCity oder auch die OK Labs in verschiedenen deutschen Städten. Lorenz Matzat veröffentlicht auf seinem Blog Datenjournalist.de spannenden Lese-Stoff und immer wieder Übersichten über aktuelle Projekte. Und Correctiv.org möchte ich nennen, zumal die ihre Recherchen und Daten frei zugänglich machen.

Auch US-Medien wie ProPublica, Washington Post und die New York Times sollte man sich anschauen. Einige Geschichten kann man wunderbar auf Deutschland übertragen. Auf Twitter lohnt es sich, den Hashtag #ddj zu verfolgen. Und eine großartige Ressource sind die Tutorials der jährlichen Nicar-Konferenz

[wysija_form id=“4″]

© Antonioguillem – Fotolia.com

© Antonioguillem – Fotolia.com

Kann man Lokaljournalismus automatisieren oder braucht man dafür auch in Zukunft eigene Reporter vor Ort? Nun, so schwarz oder weiß kann man die Frage sicher nicht beantworten. Um so spannender zu lesen, was Lorenz Matzat (@datenjournalist) zu dem Thema in einem neuen Blog-Post schreibt. Er benennt konkrete Beispiele, wo heute schon ein von ihm mitentwickeltes Tool zum Einsatz kommt. Seine These: Der Computer wird keine Kommentare schreiben, aber er wird in der Lage sein, Unfallberichte und Wetter-Meldungen zu verfassen.

Mein Lese-Tipp: „Die datengetriebene Lokalzeitung – die Automatisierung der Nachrichten wird kommen

© Kaesler Media - Fotolia.com

© Kaesler Media – Fotolia.com

Im Konferenzraum K4, wo sonst die großen Konferenzen der Spiegel-Redaktion stattfinden, erklärte der rumänische Investigativ-Journalist Paul Radu (@IDashboard) beim Reporter Workshop 2015 sehr anschaulich, wie dubiose Geschäfte rund um den Globus abgewickelt werden um die wahren Eigentümer einer Firma zu verheimlichen. Für solche Recherchen hat Radu eigens das Investigative Dashboard und das Visualisierungstool VIS entwickelt.

„Eine solche Recherche ist schnell eine Reise um den Globus“, sagte Radu. Und die wenigsten dürften wissen, wie man den Inhaber einer Firma auf Malta oder Zypern ausfindig machen kann. Hier hilft Investigative Dashboard nach einer kostenfreien Registrierung mit einem Google-Konto. „Das Tool hat drei Funktionen: Es sammelt und indexiert öffentlich zugängliche Informationen, es durchsucht Unternehmensregister auf der ganzen Welt und es verbindet investigative Journalisten auf der ganzen Welt“, erklärte Radu. Letzteres sei wichtig, weil viele Informationen auch in 2015 nicht online durchsuchbar seien. Dann müsse man einen lokalen Kontakt haben, der bei einer Behörde vorstellig werden könne, um ein Dokument zu bekommen.

Um die bewusst undurchsichtigen Verflechtungen zwischen Firmen, Personen und Regierungsmitgliedern zu visualisieren, empfahl Radu das Tool VIS (=Visual Investigative Szenarios). Mit dem ebenfalls kostenfreien Online-Tool kann man während der Recherche den Überblick behalten und danach Auszüge als Grafik in der eigenen Recherche benutzen. Ein Video erklärt die Funktionsweise des Tools:

[wysija_form id=“4″]

Sebastian Brinkmann

Sebastian Brinkmann

Am 5. und 6. Juni findet in Hamburg das „Reporter-Forum“ statt. Ich bin für Journalisten-Tools.de vor Ort und berichte über ausgewählte Workshops hier auf dieser Seite. Um mich besser vorbereiten zu können: Welche Workshops würden Sie gerne besuchen und würden entsprechend gerne auf dieser Seite darüber lesen? Das komplette Programm finden Sie auf der Website (weiter unten auf der Seite!) des Reporter-Forums.

Meine Auswahl bislang:

  • Workshop 1:Cordt Schnibben (Der Spiegel), Karin Zintz Volbracht (Corporate Grassroots), Stephan Weichert (Hochschule Macromedia): Unsere Leser entwickeln sich schneller als wir – was folgt daraus?
  • Workshop 2:Iggy Ostanin (Bellingcat): Social media als Recherchetool, mit Facebook, Instagram und Twitter investigativ arbeiten
  • Workshop 3:Ezra Eeman (Journalism Tools), Tim Verheyden (How To Story): Storytooling – die besten neuen Tools für Journalisten
    oder
    Diana Zinkler (Berliner Morgenpost), Hardy Prothmann (Rheinneckarblog),  Jessica Schober (Wortwalz): Der Lokaljournalist und seine Leser
  • Workshop 4:Robb Montgomery (IREX Multimedia Education Center): Erzählen mit dem iPhone – eine Anleitung in Zeiten von meerkat und periscope
  • Workshop 5:Pauline Tillmann (frei): Wie sich in den USA der Journalismus neu erfindet
    oder
    Paul Radu (Investigative Dashboard): Die wichtigsten Recherchetechniken für Enthüller
  • Workshop 6:Christina Elmer (Spiegel Online): Es lebe der Datensatz!

Welche Themen interessieren Sie noch?

[wysija_form id=“4″]