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Interview: So klappt der Einstieg in den Daten-Journalismus


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Christina Elmer (Foto: Saima Altunkaya / Spiegel-online)

Christina Elmer (Foto: Saima Altunkaya / Spiegel-online)

Christina Elmer (@ChElm) ist Daten-Journalistin bei Spiegel-Online. Im Interview erzählt sie uns, wie der Einstieg in den Daten-Journalismus klappt und warum eine gute Daten-Geschichte auch auf Excel basieren kann. Die 32-Jährige hat beim WDR volontiert und ist über Stationen bei dpa und Stern in die Redaktion von Spiegel-Online gekommen.

Wie reagieren die Menschen, wenn Du sagst, dass Du Daten-Journalistin bist?

Für viele ist das am Anfang sehr abstrakt und sehr nerdig. Sie glauben, dass wir viel mit Daten arbeiten, aber das das wenig mit der Geschichte zu tun hat. Ich erkläre dann gerne, dass Daten-Journalismus auch bedeuten kann, Statistiken nach Geschichten zu durchsuchen und dann in einem Text aufzuschreiben.

Ist Daten-Journalismus wirklich so einfach?

Letztlich ist es eine Frage der Ressourcen: Wenn ich nach einer Wahl allein die Zahlen untersuche, dann kommt am Ende häufig ein Text mit ein oder zwei Grafiken raus. Wenn wir mit Programmierern zusammen arbeiten, dann kostet das natürlich Zeit – aber es kommt eine aufwändigere Darstellung mit selbst programmierten Charts heraus.

Wie kommt Daten-Journalismus bei den Lesern an?

Da mache ich eine ganz interessante Beobachtung: Unter vielen Artikel kritisieren die Leser die Journalisten für ihre Arbeit. Unter Daten-Geschichten beschäftigen sie sich dagegen viel stärker mit der Geschichte und den Fakten. Vielleicht deshalb, weil wir unsere Arbeit sehr transparent erklären: Welche Daten haben wir analysiert und wie sind wir zu den Ergebnissen gekommen? Wir bieten auch – wenn immer möglich – die Original-Daten zum Download an. Die lädt zwar kaum einer runter, aber es hilft offenbar, uns zu vertrauen.

Wir bemerken auch, dass sich unsere Leser intensiv mit den Geschichten und den eingebauten Grafiken beschäftigen. Das liegt vermutlich auch daran, dass die Leser mit interaktiven Grafiken die Daten für ihren Wohnort oder ihre Altersgruppe mit anderen Zahlen vergleichen können. So werden Geschichten viel individueller.

Was empfiehlst Du Einsteigern?

Wer noch nie programmiert hat, sollten drei Dinge tun:

  1. Sich mit einfachen Tool beschäftigen, um kleinere und mittlere Tabellen zu erstellen und auszuwerten. Dazu reichen Excel oder das kostenfreie OpenOffice.
  2. Sie sollten Tools ausprobieren, um Diagramme zu erstellen. Google Docs kann das, ansonsten Datawrapper oder High Charts.
  3. Sie sollten sich mit Werkzeugen vertraut machen, um interaktive Karten zu erstellen. MapBox ist ein gutes Tool, alternativ CartoDB oder Google Fusion Tables. Karten sind für viele Geschichten eine gute Darstellungsform.

Wer tiefer einsteigen möchte, sollte eine Programmiersprache wie R oder Python lernen. Ich selbst kann übrigens nicht programmieren, kann aber den Code immerhin einigermaßen lesen.

Ich höre daraus, dass für eine aufwändige Daten-Geschichte Journalisten und Programmierer zusammen arbeiten müssen?

Absolut! Und das erfordert am Anfang auch, dass man die Arbeit des jeweils anderen versteht: Wann braucht der Entwickler mein Feedback? Wie und wann kann ich ihm Verbesserungswünsche schicken? Programmierer wiederum wissen oft gar nicht, wie wir recherchieren und schreiben. Wenn beide Seiten ihr Können zusammenbringen, entstehen wunderbare Stories.

Wie findest Du Ansätze für Daten-Geschichten?

Wie so oft beim Journalismus gibt es verschiedene Ansätze: Manchmal geben uns die Kollegen Tipps oder zeigen uns eine Geschichte aus den USA, die wir auf Deutschland übertragen können. Oder wir entdecken eine Schnittstelle (API), über die man Daten abfragen kann und spielen damit mal rum. Auch das Informationsfreiheitsgesetz hilft uns, weil dadurch Datensätze veröffentlicht werden, die wir dann untersuchen können.

Letztlich gibt es zwei Wege: Man fängt mit einer These an und versucht, diese mit Zahlen zu untermauern oder zu widerlegen. Oder man schaut sich Datensätze an und findet darin Geschichten.

Welche Internet-Seiten oder Twitter-Accounts empfiehlst für für Leser, die tiefer in das Thema einsteigen wollen?

Ich beobachte sehr gerne, was die Berliner Morgenpost macht oder OpenDataCity oder auch die OK Labs in verschiedenen deutschen Städten. Lorenz Matzat veröffentlicht auf seinem Blog Datenjournalist.de spannenden Lese-Stoff und immer wieder Übersichten über aktuelle Projekte. Und Correctiv.org möchte ich nennen, zumal die ihre Recherchen und Daten frei zugänglich machen.

Auch US-Medien wie ProPublica, Washington Post und die New York Times sollte man sich anschauen. Einige Geschichten kann man wunderbar auf Deutschland übertragen. Auf Twitter lohnt es sich, den Hashtag #ddj zu verfolgen. Und eine großartige Ressource sind die Tutorials der jährlichen Nicar-Konferenz

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Der 41-Jährige testet für sein Leben gern neue Internet-Seiten oder Tools. Er hat Journalisten-Tools.de im Oktober 2013 gegründet, um seiner Leidenschaft zu frönen und Journalisten über nützliche Werkzeuge zu informieren. Im echten Leben arbeitet Sebastian als Director Publishing Services bei der Rheinischen Post Mediengruppe und ist Projektleiter für die Einführung eines neuen Redaktionssystems für 700 Redakteure.

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