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Lina Timm (Foto: Erol Gurian)

Lina Timm (Foto: Erol Gurian)

Lina Timm ist die Begeisterung anzuhören, wenn sie über Digital-Journalismus und „ihr“ Digital Media Camp spricht, das das Media Lab Bayern im Februar 2017 zum zweiten Mal organisiert. „Wir hatten vergangenes Jahr mit 80 Teilnehmern gerechnet, es kamen 130. Dieses Jahr rechnen wir mit 200 bis 250 Teilnehmern, sagt die 29-Jährige.

Wie bei einem Barcamp üblich, gibt es auch am 11. und 12. Februar kein festes Programm mit vorher bekannten Referenten: Jeder Teilnehmer kann einen Vortrag mitbringen und zu Beginn der beiden Tage vorstellen. „Unser Partner Microsoft Deutschland stellt uns eine tolle Location mit großen und kleinen Besprechungsräumen zur Verfügung, so dass wir je nach Zahl der Interessenten einen passenden Raum auswählen können“, erläutert Lina. Wer möchte, kann schon jetzt auf der Website sein Thema vorschlagen. Die finale Entscheidung, ob ein Vortrag dann auch stattfindet, treffen aber die Besucher des Barcamps in der morgendlichen Vorstellungsrunde.

Zielgruppe der zweitägigen Veranstaltung, deren Tickets bis 9. Januar 22 Euro kosten, sind alle „die Bock auf Digital-Journalismus haben“, so Lina und ergänzt: „Wir sprechen über Reichweite, Geschäftsmodelle, Tools und die Frage, was in Eurer Redaktion funktioniert“. Nach dem 9. Januar kostet das 2-Tages-Ticket 30 Euro. Und wer gleich zu zweit kommt, kann bis 8. Januar das Friends-Ticket für zwei Personen für 15 Euro kaufen.

Viele namhafte Firmen sind Sponsor des Barcamps, darunter auch die Deutsche Bahn, die Hotel-Kette Bold und die Rheinische Post. Die Bahn bietet die An- und Abreise nach München zum Pauschalpreis von 99 Euro (2. Klasse) an. Das Hotel gewährt einen 15 Prozent Rabatt auf die Übernachtung, allerdings gibt es in der Nähe günstigere Hotels.

Hinweis: Ich arbeite als Director Publishing Services für die Rheinische Post Mediengruppe. Erst als der Beitrag geschrieben war, habe ich davon erfahren, dass die Rheinische Post Sponsor des Digital Media Camps 2017 ist.

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Pit Gottschalk

Pit Gottschalk

Gastautor Pit Gottschalk ist seit Januar 2012 Director Content Management bei der Axel Springer SE und Autor des Buches „Der kreative Link von Print zu Online“. Gottschalk ist Referent beim Digital Bootcamp. Ich habe ihn gebeten, die aus meiner Sicht interessante Veranstaltung Anfang Dezember in Hamburg hier vorzustellen.

Wenn ich gute Laune bekommen möchte, schaue ich auf: http://www.kombi.de/hund-im-auto/. Der Channel auf diesem kleinen Autoportal sieht harmlos aus, und ehrlich gesagt: Ich habe gar keinen Hund. Und doch kann jeder gestandene Journalist an der Site erkennen, was er lernen muss, um fit für den Journalismus der Zukunft zu sein.

Die gesamte Site enthält Links, die zu Amazon führen. Nur die Online-Profi unter den Journalisten wissen: Die stehen nicht zufällig da. Wann immer ein Leser darauf klickt und bei Amazon einkauft, verdient der Autor dieses Stückes mit. So um die 7 Prozent. Im Online-Bereich nennt man das Affiliate-Marketing oder Partnerprogramm oder CPO (= Cost per Order).

Denkt und arbeitet unternehmerischer

Was das mit Journalismus zu tun hat? Zumindest die etwas älteren Journalisten haben gelernt, dass man Texte schreiben oder Fotos aufnehmen muss, um Geld zu verdienen. Entweder in Form eines Honorars oder als Gehalt. Heute hat sich die Situation geändert. Sogar die Gewerkschaft DJV mahnt Journalisten: Denkt und arbeitet unternehmerischer!

Meine Erfahrung ist: Nicht wenige Kollegen scheitern schon bei der Auswahl oder spätestens beim Hochladen des WordPress-Themes. Analytics-Code, Marktanalyse, Online-Autorität, KPI Kalkulation, Affiliate und Adsense… Die neuen Begriffe der Online-Generation verwirren und verschrecken viele Journalisten gleichermaßen.

Es ist ja auch eine merkwürdige Situation entstanden. Jahrelang waren viele Journalisten im Print zu erfolgreich, um sich auf Herausforderungen der digitalen Welt einzulassen. Aber sie müssen noch zu lange arbeiten, als dass sie das Online-Business bis zur Rente einfach ignorieren können. Diesen Journalisten hilft das Digital Bootcamp in Hamburg.

In nur drei Tagen soll jeder Teilnehmer zum Online-Profis werden und zumindest das Basiswissen für unternehmerisches Arbeiten als Journalist im Internet-Zeitalter lernen:

Was die Journalisten nach den drei Tagen können – sechs gute Gründe

  • Sie lernen und verstehen die Arbeitsweise und Tools im Content-Management
  • Sie analysieren den Markt und finden Inspiration zu einer eigenen Geschäftsidee
  • Sie planen und kalkulieren als Journalist und Blogger das eigene Online-Business
  • Sie beherrschen und starten die technische Umsetzung von WordPress-Projekten
  • Sie vernetzen sich mit Branchenführern, Mitstreitern und Website-Betreibern
  • Sie denken als Journalist und Blogger unternehmerischer und unabhängiger

Inzwischen mache ich mir einen Spaß daraus, Themenfelder zu finden und binnen Tagen eine Site darüber zu veröffentlichen, sogenannte Verticals. Zum Beispiel zu Wearables – das sind die technischen Geräte, die man mit sich trägt, Smartwatches und Fitness-Armbänder: http://technik-to-go.de. Oder zu Videostreaming, wie es von Netflix oder Amazon angeboten wird: http://jetzt-video.de/video-on-demand-vergleich/

Jede Site ist klein, aber verdient ein paar Euro, mehr nicht. Es ist mein Hobby. Ab wenn ein Journalist mehr daraus machen und Experte auf seinem Themengebiet werden will, hat er die Chance, richtig Geld zu verdienen.

Anmeldung zum Digital Bootcamp, das von Klaus Ebert in Zusammenarbeit mit Google veranstaltet wird, unter mediapreneure.com. Das Seminar – das in den Räumen von Google Deutschland in Hamburgs stattfindet – kostet 1150 Euro plus Umsatzsteuer.

Update (26. Februar 2015): Die Seite mediapreneure.com ist nicht mehr erreichbar. Ich habe entsprechend den Link entfernt.