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Für wen lohnt sich eine eigene Sprecherkabine? (Interview)


Daniel Bouhs (Foto: Jörg Wagner, www.wwwagner.tv)

Daniel Bouhs (Foto: Jörg Wagner, www.wwwagner.tv)

Wer als freier Journalist für Radio oder Fernsehen arbeitet, sollte sich die Anschaffung einer eigenen Sprecherkabine überlegen. Die bietet viele Vorteile und die Investition ist schnell amortisiert. Der freie Journalist Daniel Bouhs, der seit Anfang 2013 für Radiosender wie RBB, WDR und Deutschlandfunk arbeitet, hat eine solche Kabine in seinem Berliner Büro.

Wie darf ich mir Deine Sprecherkabine vorstellen?

Die Kabine ist rund zwei Meter lang und 1,40 Meter breit und sieht ein bisschen so aus wie eine Mini-Sauna. Sie hat eine Doppelwand und eine Doppeltür, auch Boden und Decke sind schallisoliert. Eine besonders leise Lüftung sorgt dafür, dass man in der Kabine frische Luft bekommt. In der Kabine steht ein Tisch, auf dem ich mein Macbook Air platziere. Ist der Rechner laut, könnte man ihn dank schallisolierter Kabelzuführung außerhalb der Kabine platzieren. Ein Fenster gewährt einen Blick nach draußen. Meine Kabine ist ein sehr kleines Modell, das man nahezu beliebig vergrößern könnte.

Was kostet eine solche Kabine?

Die Kabine selbst, die von der Berliner Firma Desone fertig montiert wurde, hat mich rund 5000 Euro plus Umsatzsteuer gekostet. Dazu habe ich das Mikrofon BCM 104 von Neumann für rund 300 Euro und eine Soundkarte gekauft, um Mikrofon und Notebook miteinander zu verbinden. Dazu noch ein paar Apps und fertig ist das eigene Tonstudio. Alles in allem habe ich rund 6000 Euro ausgegeben.

 

6000 Euro sind aber kein Pappenstiel

Sicherlich kann man eine Sprecherkabine deutlich günstiger selbst bauen, aber dann besteht die Gefahr, dass sie nicht richtig schallisoliert ist und man den Fehler umständlich suchen muss. Der Kollege Jan Rähm  (Radiofuzzi.com) hat seine Kabine selbst gebaut und mich bei einer Veranstaltung auf die Idee gebracht. Ich kenne auch Kollegen, die sich eine gebrauchte Telefonzelle ins Büro stellen. Auch die sind recht gut schallisoliert, aber ich habe auf Anhieb keinen Anbieter gefunden. Das Tolle ist: Diese Investition hält 10 bis 20 Jahre, wenn man mit der Kabine pfleglich umgeht.

Welche Software setzt Du ein?

Für Aufnahmen habe ich auf meinem Mac kostenfreie Audacity. Ich habe auch schon Hindenburg getestet, das speziell für Radio- und Podcast-Beiträge entwickelt wurde. Eigene Beiträge schneide ich mit Adobe Audition. Das ist wie Premiere, aber ohne Bild. Und für Schalten benutze ich das Programm Luci, mit dem man sich auch mit dem ARD-Stern verbinden kann. Darüber baut man eine Voice-over-IP-Verbindung auf. Ein bisschen technisches Knowhow braucht man sicherlich, bis alles läuft.

Lohnt sich eine solche Investition für einen freien Journalisten?

Ich habe mir das genau durchgerechnet: Ich habe in 2014 rund 60 Beiträge für Radiosender produziert und die Investition zur Hälfte wieder reingeholt. Eine eigene Sprecherkabine rechnet sich auf drei Wegen:

  • Man spart Zeit, weil man nicht für jeden Beitrag ins Studio fahren muss. Ich brauche hier in Berlin rund eine Stunde hin und eine Stunde zurück.
  • Man ist deutlich flexibler: Musste ich zuvor eine Sprecherkabine im Sender buchen und hatte dann nur diesen Slot, kann ich jetzt jederzeit einen Beitrag einsprechen. Auf die Weise kann ich auch für eine Vier-Minuten-Schalte um sieben Uhr morgens zusagen, die sich sonst nicht lohnen würde.
  • Viele öffentlich-rechtliche Sender bezahlen einen Produktionskostenzuschuss, wenn man den Beitrag fertig anliefert. Das sind rund 20 Prozent Aufschlag auf das Honorar.

Vielen Dank für das Gespräch.

Update (16. Dezember 2014): Nach Kritik an der dreifachen Nennung des Apple-Produkts, das Daniel für seine Aufnahmen benutzt, habe ich eine Nennung entfernt und eine andere auf „Mac“ gekürzt. 🙂

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9 Responses to “Für wen lohnt sich eine eigene Sprecherkabine? (Interview)”

  1. Arno

    Hey Sebastian, vielen Dank für diesen Artikel. Ich bin froh hier einen aktuellen Beitrag zum Thema Sprecherkabinen vorzufinden. Module von Desone gehören ja zu den beliebten Klassikern, wenn leider auch sehr kostenintensiv. Ich träume bereits seit mehreren Jahren von einer Kabine von Studiobricks. Mehr als ein Kabinenbesuch auf der Musikmesse in FFm war leider bislang nicht möglich.

    Zwei Fragen noch zur Verwendung mit dem MacBook Air und der Mikrofoneinspeisung: Gibt es in dieser Hinsicht Probleme oder Einschränkungen hinsichtlich der Leistung des Macbooks? Du nutzt Audacity, wie sind Deine Erfahrungen mit Garageband oder Logic von Apple?

    Viele Grüße
    Arno

    Antworten
    • Daniel Bouhs

      Ich übernehme mal für Sebastian in Sachen Audiointerface. Einen Leistungsabfall habe ich bei meinem MacBook Air nicht festgestellt. Mit Logic Pro habe ich das wiederum nicht durchgespielt, aber mit Adobe Audition – ein ähnlich opulentes Programm. Ohne Probleme.

      Antworten
  2. Onkel Hotte

    DIe Appleianer mal wieder: Man muss drauf hinweisen daß man ein „Macbbok Air“ verwendet.

    Antworten
    • Kommentator

      Ist mir auch negativ aufgefallen – naja wer’s braucht.
      Ansonsten recht informativer Artikel.

      Antworten
  3. Doc Rock

    Audition ist nicht annähernd so opulent wie Logic, aber das nur nebenbei. Aber warum sollte so etwas mit dem Macbook nicht gehen? Ganze Musikproduktionen werden in Logic auf dem Macbook produziert (bzw vorproduziert). Und da reden wir dann noch 8-64 Spuren Ton.

    Antworten
  4. Markus

    Das geht auch billiger.

    Ich produziere seit Jahren Radiobeiträge in meinem kleinen Büro.
    Die Sprecherkabine habe ich in einer Raumecke mit ein paar Schaumstoff-Matratzen, einer billige Baumarkt-Tür und ein paar Dachlatten selbst gebaut. Materialwert: ca. 200 €. Mikrofon: Rode N1 ca. 180 €. Aufgenommen wird über eine Tascam-Soundkarte (120 €) und einen Office-Rechner von der Stange (ca. 500 €) – Software war bei der Soundkarte dabei und reicht für meine Bedürfnisse vollkommen aus.
    Das geht also auch –
    Ansonsten stimme ich Daniel zu: Es spart Zeit, man ist flexibler und die 20 € Produktionskosten-Zuschuss nimmt man auch noch mit.
    😉
    Markus

    Antworten
  5. Wolfgang Noelke

    Wer sich keine Kabine leisten will, aber ein ruhiges Zimmer hat, kann den Raumhall fast vollständig mit zwei schräg an den Wänden stehenden Regalen eliminieren. Die sollten nicht nebeneinander stehen, sondern jeweils leicht schräg „über Eck“ gegenüber einer der beiden normalen Zimmerwände. Zusätzlich hilft auch eine leichte Platte mit Dämmstoff, die man mit Ketten an die Decke hängen kann. Wichtig ist auch hier, dass auch diese Platte etwas schief hängt, also auf keinen Fall parallel zum Fußboden oder dem darunter stehenden Tisch. – So hatte ich mein lautes Studio in Hannover gedämmt. In meinem Berliner Studio ist der Raum bereits mit nicht parallelen Wänden gebaut. Dessen Grundriss ähnelt einem unregelmäßigen Fünfeck. Hier war gar keine Dämmung nötig. – Wer jetzt glaubt, die Dachkammer mit schrägen Wänden sei eine einfache Lösung, irrt. Einmal ist es schwierig unter dem Fokus der Decken einen schallarmen Punkt zu finden, zweitens stören eindringende Außengeräusche umso stärker, je höher das Gebäude ist. Meistens ist es ein Mix aus Spatzen-, Straßen- und Flugzeugatmo. Ok, man kann vielleicht auch nachts produzieren, wenn es nicht regnet, die Nachbarn keine Gartenparty feiern oder mal keine Mauersegler kreischen und Nachtigallen trällern. Die Biester sind fünf bis 10 Kilometer weit gut zu hören… 😉 Unter’m Dach ist die Box die beste Lösung.

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