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RP ONLINE nutzt LiveBlog von Sourcefabric – ein Erfahrungsbericht


Oliver Havlat

Oliver Havlat

Gastautor Oliver Havlat leitet die Gemeinschaftsredaktion der deutschen Verbraucherzentralen, war zuvor Leitender Redakteur Digitales der Rheinischen Post in Düsseldorf (rp-online.de) und Redaktionsleiter von shz.de in Flensburg. Oliver beschäftigt sich mit Themen wie der Digitalisierung des Arbeitsalltags, aber auch mit Reisegeschichten, die sich um das Thema Wasser ranken. Seine Website: oliverhavlat.de.

Es kommt selten vor, dass ein relativ großes Verlagshaus ein Open Source-Produkt aus einer relativ kleinen Softwareschmiede einsetzt. Dieses hier hat uns jedoch überzeugt: Seit über einem Jahr setzen wir bei der Rheinischen Post (www.rp-online.de) das Liveblog-System von Sourcefabric ein.

Sourcefabric an sich ist schon etwas besonderes: Das international aufgestellte Team ist keine Softwarefirma im klassischen Sinne, sondern eine Non-Profit-Organisation, die sich der Förderung der freien Meinungsäußerung verschrieben hat und diese mit der Entwicklung freier Software unterstützen will. Das allein macht das Team sympathisch, denn man nimmt ihnen dieses Anliegen („Open Source means Free Speech“) durchaus ab.

Die Einführung eines Liveblogs war bei uns mehr als überfällig: Wir suchten ein Format irgendwo zwischen dem hektischen Liveticker, der beispielsweise bei Sportevents sicher richtig eingesetzt ist, aber Redaktion und Leser durch die hohe Frequenz der Postings einiges abverlangt und darüber hinaus nicht geeignet ist, etwa auch Hintergründiges zu beinhalten, und dem „normalen“, mitunter eben häufig aktualisierten Artikel im regulären Online-Portal.

Buntes Gesamtbild eines Ereignisses

Das Liveblog-Format erlaubt uns, in beliebig hoch- oder niedrigfrequenter Folge kleine Posts abzusetzen, die sich in der Gesamtschau dann zu einem chronologischen Abbild des Geschehens zusammenfügen. Diese Posts können von einem, aber genauso gut von beliebig vielen verschiedenen Autoren stammen. Die sind im Liveblog erkennbar: Mit Autorenzeile über jedem Post und einem Autorenbild. Hinzu kommt, dass jedes Liveblog mit Inhalten aus dem Social Web, mit Suchergebnissen aus Suchmaschinen wie Google, mit Videos aus Youtube oder Fotos aus den einschlägigen Bilderdiensten angereichert werden kann. So entsteht ein teils selbst verfasstes, teils kuratiertes, in jedem Fall buntes Bild des Ereignisses.

Wir setzen das Liveblog gern und häufig ein. Von ganz kurz – beispielsweise um die 30-Minuten-Pressekonferenz eines unserer „Hausvereine“ vor einem wichtigen Fußballspiel zu schildern und mit Tweets und Facebook-Posts von Beteiligten zu schmücken – bis sehr lang: Über sieben Wochen haben wir den „Prinzenkanal“ gepflegt, in dem ein Reporter unseres Hauses das Düsseldorfer Karnevals-Prinzenpaar auf Schritt und Tritt begleitet hat. Das Blog ist mehrere hundert Einträge lang und strotzt vor Fotos und Social Media-Posts.

Übersichtliches Drei-Spalten-System

Das Liveblog-System macht das alles mit. Und zwar auf relativ komfortable Art und Weise: Das User Interface ist aufgeräumt und mit seinem dreispaltigen Aufbau nahezu selbsterklärend. Ganz links stehen die verschiedenen Kanäle zur Verfügung, aus denen Inhalte gezogen werden können: Google, Youtube, Twitter, Facebook (jedenfalls alles, was dort „öffentlich“ ist), Instagram, Flickr, Soundcloud, sogar SMS – vor allem aber ein Kanal für die Beiträge der eigenen Mitarbeiter. Jeder, der einen Zugang hat, kann in das Liveblog schreiben. Basis-Formatierungsoptionen für den Text stehen dabei ebenso zur Verfügung wie die Möglichkeit, eigene Bilder hochzuladen und die zu betexten. Manko 1: Videos gehen nicht – man muss den Umweg über Youtube wählen.

Ausschnitt aus dem Prinzen-Kanal von RP ONLINE (Foto: Screenshot)

Ausschnitt aus dem Prinzen-Kanal von RP ONLINE (Foto: Screenshot)

Die Beiträge, die die Kollegen schreiben, landen aber nicht direkt live im Blog, sondern zunächst in der zweiten Spalte, einer Art Schreibtisch. Der betreuende Redakteur hat dann die Möglichkeit, sich auszusuchen, welche Beiträge er zu den Lesern durchstellen will. Das macht er per Drag & Drop in die dritte Spalte des Interface, den Live-Bereich. Hier kann er jederzeit  den Beitrag verändern, korrigieren oder ergänzen oder ihn natürlich auch wieder löschen. Manko 2: Das alles, bis aufs Löschen, geht komischerweise in der Schreibtisch-Spalte nicht. Die wäre aber eigentlich der richtige Ort für solche Bearbeitungen, die ja idealerweise vor dem Veröffentlichen geschehen sollten.

Das Backend von LiveBlog (Foto: Screenshot)

Das Backend von LiveBlog (Foto: Screenshot)

Insgesamt geschieht das alles in der Regel sehr flüssig, lediglich bei Lastspitzen (vor allem auf der Input-Seite, wenn also viele Kollegen gleichzeitig Beiträge posten) kommt es zu Verzögerungen, bis die Beiträge auf dem „Schreibtisch“ sichtbar werden. Manchmal loggt das System auch den Bearbeiter kurzerhand aus. Das ist besonders im „heißen“ Livebetrieb dann ein bisschen ärgerlich – trotzdem aber bleibt das System stabil. Uns ist bisher kein Beitrag verloren gegangen, der zuvor ordnungsgemäß gepostet worden war.

Ärgernis Chronologie und schlimme User-Verwaltung

Es gibt aber eine Einschränkung, die eigentlich kein Bug ist, sondern eine Frage der Liveblog-Philosphie von Sourcefabric. Die Entwickler wollen mit dem Liveblog ein chronologisches Bild des Geschehens zeichnen. Deshalb lässt sich die Reihenfolge der Beiträge, wenn sie einmal live gestellt sind, nicht mehr verändern. Das ist in der täglichen redaktionellen Arbeit mit dem Tool ein echtes Ärgernis. Vor allem, weil es bei der Einlieferung der einzelnen Posts zu Verzögerungen kommen kann (der Mitarbeiter draußen kommt in dem Augenblick nicht dazu, den Post abzusetzen, die Mobilverbindung reißt ab, der Akku ist leer…) und man den verspätet angelieferten Beitrag dann nicht mehr an die richtige Stelle im Blog schieben kann. Meistens verzichtet man dann eher auf ein gutes Bild oder einen witzigen Beitrag, weil er an der Stelle, an der er dann erscheinen würde, keinen Sinn mehr ergibt.

Und wo wir beim Tadel sind: Die Userverwaltung des Liveblog-Systems ist unterirdisch. Wir sind dazu übergegangen, alle User grundsätzlich nur mit Admin-Rechten anzulegen, weil es sonst durchaus passieren kann, dass Beiträge der Kollegen draußen dem Blogbetreuer gar nicht angezeigt werden und er sie deshalb auch gar nicht durchstellen kann. Und: Im User-Verzeichnis selbst gibt es zwar die Möglichkeiten, die User nach Vor-, Nach- oder Usernamen zu sortieren oder in einer Volltextsuche nach ihnen zu suchen. Beide jedoch funktionieren schlicht nicht. Wer einen User sucht, der lässt sich am besten möglichst viele auf einem Screen anzeigen und sucht dann mit der Browser-Suche. Bei weit über 100 angelegten Usern wie in unserer Liveblog-Instanz ist das ein Ärgernis.

Eigene iOS-App

Hier kommen aber noch zwei Gründe, die uns dazu bewogen haben, trotz der Mankos das Tool von Sourcefabric zu nehmen: Es gibt eine iOS-App, die auf iPhone und iPad läuft und mit der die Kollegen vor Ort direkt ins System und ins richtige Liveblog posten können. Bisher nur auf den Schreibtisch – in der nächsten Version der App können entsprechend freigeschaltete Nutzer auch direkt live posten. Das hat sich in der täglichen Arbeit als sehr komfortabel herausgestellt.

Und der zweite Grund: Der Support und die Weiterentwicklung durch Sourcefabric ist sehr gut. Die Kollegen reagieren auf Anfragen relativ schnell, Fehler werden beseitigt und neue Feature-Requests (in unserem Fall beispielsweise SEO-Anforderungen oder Anpassungen im Theme) im Rahmen der Möglichkeiten einer kleinen Organisation zügig bearbeitet.

Alles in allem ziehen wir also ein durchaus positives Fazit – mit wenigen negativen Einsprengseln. Wir empfehlen das Liveblog-System von Sourcefabric trotzdem gerne weiter.

Update (30. September 2015): RP ONLINE setzt inzwischen Tickaroo als Live-Blog-Lösung ein. Oliver Havlat hat zudem RP ONLINE zum 30. September 2015 verlassen.


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